Carolin Callies

fünf sinne & nur ein besteckkasten

Gedichte
Cover: fünf sinne & nur ein besteckkasten
Schöffling und Co. Verlag, Frankfurt am Main 2015
ISBN 9783895614484
Gebunden, 112 Seiten, 18,95 EUR

Klappentext

Carolin Callies erzählt seltsame Geschichten in ihren Gedichten: davon, wie es aussehen könnte, "kleinstlebewesen zu verschiffen", vom "wohnen in der obstschublade", dem "gefährlichen leben von singvögeln in den augen anderer" oder von jemandem, der "kopien vom mähen" macht. Und sie schildert vor allem, wie grotesk es ist, "innerhalb eines fleischfarbenen lappens" zu logieren. Sie beschreibt jede Pore, jedes Haar - der Körper dient ihr als "feldforschnes material", als "geschichtenband". Die Kunst, sagt Gottfried Benn, verdankt sich dem Körper. Carolin Callies seziert in Benn'scher Drastik und gleichzeitig in drastischer Komik die Körper, bis von der Oberfläche nichts mehr übrig bleibt. Gedichte, die dem Tod mit Klebstoff und Pflastern begegnen, um festzustellen: "wenn man stürbe & man stürbe nie". So empfiehlt sich: "in den wunden munter bleiben".

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 04.07.2015

Neue Stimme in erster Reihe, ruft Richard Kämmerlings angesichts dieses Gedichtbandes von Carolin Callies. Und wieso? Weil Callies "skalpellhaft" das Physische umkreist, seine Vergänglichkeit, schreibt Kämmerlings. Ihm geht's unter die Haut, wenn Callies dichtet, auch wenn er zugibt, dass er sich nicht wohlfühlt mit diesen Gedichten, "lyrischen Juckreiz" nennt er das. Kein Wunder, fallen ihm beim Lesen doch vor allem Altersheim- oder Lazarettsituationen ein, manchmal wenigstens Märchenhaftes. Aber wenn Callies Jahreszeitengedichte einstreut, scheint ihm das schon wieder etwas zu traditionell.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.05.2015

Michael Braun ist begeistert vom Debüt der Dichterin Carolin Callies, die in "fünf sinne & nur ein besteckkasten" den Körper zu seinem Recht kommen lässt, indem sie seine fleischige Körperlichkeit grotesk, sarkastisch und immer wieder komisch lesbar macht, so der Rezensent. Da finden sich zum Beispiel die "Beschreibungen somatischen Unheils" als "eintrag im handbuch der versehrten (s. räude, s. krätze)" oder "vom logieren innerhalb eines fleischfarbenen lappens", zitiert Braun. Im letzten Kapitel stülpt Callies ihre fleischgewordene Wahrnehmung dann wieder um, nach außen richtung Natur, etwa um "die elektronische fassung von herbst" zu kippen, freut sich der Rezensent.
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