Carol Loeb Shloss

Lucia Joyce

Die Biografie der Tochter
Cover: Lucia Joyce
Albrecht Knaus Verlag, München 2007
ISBN 9783813502572
Gebunden, 680 Seiten, 29,95 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Michael Müller. "Sie ist ein phantastisches Wesen", schrieb James Joyce in einem Brief über seine 1907 geborene Tochter Lucia. Doch in der Literatur über ihren Vater wird sie als wildes, schwieriges Kind beschrieben, das sich schnell zu einer Art Klotz am Bein des genialen Autors entwickelte. Carol Loeb Shloss sieht das Verhalten des Kindes einerseits in engem Zusammenhang mit der Armut und dem Nomadenleben der Familie und andererseits mit dem schwierigen Verhältnis zu ihrer Mutter Nora und ihrem Bruder Giorgio. Beiden war das Außergewöhnliche in Lucias Charakter ebenso suspekt wie ihre innige Beziehung zum Vater. Joyce spürte die kreative Kraft und unterstützte Lucia auf ihrem Weg, ihre tänzerische Begabung auszubilden. Sie arbeitete mit den berühmtesten Ausdruckstänzern ihrer Zeit und tourte mit bekannten Gruppen durch Europa. Doch unter dem Druck ihrer Mutter gab Lucia 1929 ihre gerade begonnene Karriere auf. Wenig später brach sie erstmals zusammen. Ein endloser Leidensweg durch psychiatrische Einrichtungen begann, der erst 1982 mit ihrem Tod endete.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.09.2007

Um des Erlebnisses von Sprache als unmittelbarer Verständnishilfe wegen empfiehlt Hans Walter Gabler das 2003 erschienene englische Original dieser Studie. Nach dem geistigen, emotionalen und künstlerischem Verhältnis von Lucia Joyce zu ihrem berühmten Vater allerdings vermochte Gabler auch die vorliegende Fassung zu befragen. Die Antworten, die Carol Loeb Shloss bereithält, befriedigen Gabler durchaus. Respekt bringt er der "imaginativen Leistung" der Autorin beim Abgleich von biografischen Zeugnissen der Tochter mit dem Werk des Vaters (insbesondere "Finnegans Wake") schon deshalb entgegen, weil darin das Problem der "Zugangs- und Rechteverweigerung" seitens der Joyce-Erben zum Ausdruck kommt. Laut Gabler eröffnet die teilweise Verquickung von Werk und Biografie jedoch auch ganz neue Forschungsperspektiven. Das entstandene "kubistische Porträt" der Lucia Joyce erscheint Gabler der Person und ihrer Zeit "seltsam adäquat".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.07.2007

Ein wenig hin- und hergerissen ist Katharina Hagena nach der Lektüre dieser Biografie der James-Joyce-Tochter Lucia. Schwierig genug sei es gewesen, ein solches Buch zu schreiben, wo doch die meisten Dokumente zu Lucia, die existierten, absichtsvoll zerstört wurden. Umso bewundernswerter der Eifer, mit dem sich Carol Loeb Shloss an ihre Aufgabe mache, der von Mutter und Bruder wenig geschätzten und als verrückt in die Irrenanstalt gesteckten Lucia Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Einerseits. Andererseits geschieht auch, was vielleicht zu befürchten war. Die Biografin gerät mangels sicherer Erkenntnisse ins Spekulieren und verliert ihre Objektivität. Sie insistiert ohne wirklich überzeugende Belege darauf, dass Lucia eine Tänzerin ersten Ranges geworden wäre, hätte sie die Ausbildung nicht frühzeitig abgebrochen. Und zweitens sei sich Shloss auch ganz sicher, dass Lucia, die so ziemlich alle denkbaren Diagnosen gestellt bekam und mit 75 Jahren einsam in einer Anstalt starb, in Wahrheit gar nicht verrückt war. Bewundernswert findet Hagena das Engagement dieser Biografin, ein wenig bedenklich aber auch ihre Überidentifikation mit dem Gegenstand.
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