Aus dem Englischen von Verena Kilchling. Die Künstlerin Esther Ray nimmt notgedrungen einen Auftrag für ein sorgfältig gestaltetes, mehrere Hefte umfassendes Familienalbum der Multimillionärin Naomi Duncan an. Diese Scrapbooks sollen ein Überraschungsgeschenk für Naomis Ehemann zu seinem Sechzigsten werden. Die Bedingungen: Esther muss eine Geheimhaltungsvereinbarung unterschreiben und darf Naomi nur über das mitgelieferte Handy kontaktieren. Sonst würde sie die Überraschung verderben. Während sich Esther durch unzählige Kisten mit Fotos und Erinnerungsfetzen arbeitet, stößt sie auf manche Ungereimtheiten und kann sich diesem Einblick in ein fremdes Leben immer weniger entziehen. Als Naomi schließlich unter mysteriösen Umständen ums Leben kommt, begibt sich Esther auf eine riskante Suche nach der Wahrheit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 10.08.2024
Dass der Kunstbetrieb bisweilen unmoralisch ist, konnte Rezensentin Laura Helena Wurth schon in einigen Romanen lesen, jetzt reiht sich die Künstlerin und Autorin Calla Henkel mit ihrem zweiten Buch ein: Ihre Protagonistin Esther Ray bekommt den Auftrag, die Familiengeschichte einer sehr reichen Auftraggeberin in künstlerisch wohlgestalteten Scrapbooks darzustellen. Sie nimmt an, fragt sich dann aber doch, welche moralischen Schwierigkeiten es mit sich führt, Geld anzunehmen, von dem man nicht weiß, ob es mit Verbrechen verdient wurde, ihre Auftraggeberin stirbt auf mysteriöse Weise, so Wurth, Ray möchte aufklären. Die Kritikerin schreibt Henkel eine "besondere Art der Niederschwelligkeit" zu, es handele sich zwar nicht um große Literatur, aber um einen höchst unterhaltsamen Roman, der auch die Frage stellt, welchen Erzählungen wir Glauben schenken können.
Rezensentin Verena Harzer empfiehlt den neuen Roman der Künstlerin Calla Henkel als "leichtfüßige" Lektüre, die aber trotzdem genau in die Milieus leuchtet, die sie beschreibt: Im Zentrum steht die Künstlerin Esther Ray, der vom Verschwinden der Partnerin bis zu einem Auftrag einer Superreichen allerhand Merkwürdiges geschieht, was die Geschichte im rapiden Tempo vorantreibt und Harzer einiges an Lesevergnügen bereitet. Die Übersetzung wartet hingegen leider mit einigen groben Schnitzern auf, sodass etwa "saris" zu "Saris im indischen Stil" werden, die Kritikerin hofft, dass das in einer mit Sicherheit schon bald nötigen zweiten Auflage behoben wird.
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