Die harte Diagnose der Autoren ist überfällig: die sinnlose Jagd auf Keime ohne Rücksicht auf das Immunsystem und ganzheitliche Ansätze, die Medizin als chemischer Krieg, der Sieg der Impflobby, die Versklavung der Medizin durch die Industrie, die Abkehr vom Patienten. Dies sind nur einige Aspekte dieser umfassenden Innenansicht des Medizinkartells, die am Bild der selbstlosen Heiler und des gesamten Systems erhebliche Kratzer hinterlässt, zugleich aber Chancen für Veränderungen aufzeigt.
Grundsätzlich findet Ulrike Winkelmann das Unterfangen von Kurt Langbein und Bert Ehgartner, zu zeigen, dass wir bei weitem nicht so krank sind, wie uns eine profitgierige Gesundheitsindustrie haben will, wichtig und berechtigt. Wie die Rezensentin ausführt, beschreiben die Autoren den Prozess von der Entdeckung einer Störung über ihre Anerkennung als Krankheit bis zur massenhafen Verschreibung eines Medikaments als ein bis ins Detail durchkalkuliertes Ritual, in dem Ärzte wie Patienten die Rolle der nützlichen Idioten spielen, während die Industrie Regie führt. Der gesamte Medizinbetrieb sei auf einer sinnlosen Jagd nach isolierbaren Krankmachern, die dann mit einem Wundermittel vernichtet werden können. In ihrem Rundumschlag gegen das "Medizinkartell" lassen die Autoren nichts aus, was sich gegen die gegenwärtige medizinische Praxis ins Feld führen lässt, hält Winkelmann fest. Die entscheidende Schwäche des Buches erblickt Winkelmann dabei allerdings darin, dass Langbein und Ehgartner mit ihrer teils überzogen polemisch präsentierten und unsachlichen Kritik ihr Anliegen konterkarieren. So verdienstvoll es sei, einen provokanten Überblick über das Versagen der Gesundheitsindustrie zu geben, schließt Winkelmann, "so unverzeihlich ist es, sich dabei so angreifbar zu machen wie Langbein und Ehgartner."
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