Ist die politische Klasse erschöpft? Hat die Wirtschaft Anspruch auf Vertrauen? Schulden Schriftsteller politisches Engagement? Wofür braucht es die Kirche? Wieviel Multikulturalität verträgt eine moderne Gesellschaft? Wo sind die Grenzen des Rechts? Was ist der Preis der Gerechtigkeit? Wo ist Heimat? Oft haben aktuelle Konflikte die Fragen provoziert: der Konflikt um Kruzifix und Kopftuch in der Schule, die Forschung mit Stammzellen und Embryonen, die Gefährdung der Menschenwürde im Kampf gegen Verbrechen und Terrorismus. Andere Fragen nehmen ihren Ausgang bei literarischen und biblischen Texten: bei Gedichten von Heinrich Heine, Romanen von Hans Fallada, Imre Kertesz, Pat Barker und Jeffrey Eugenides, der Geschichte von Jakobs Kampf am Jabbok, dem Bericht über Pfingsten. In der Beschäftigung mit den Fragen vergewissert sich Bernhard Schlink seines Standorts.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.10.2005
Bernhard Schlink ist eine Doppelbegabung, erfolgreicher Literat und Jurist, so Andreas Dorschel. Als Literat aber besitze er keine Doppelbegabung: an seine Romane reichten die Essays nicht heran, meint der Rezensent. Schlink sei wohl ein guter Romancier aber kein bedeutender Essayist. Die in diesem Band versammelten Beiträge sind alle zu bestimmten Gelegenheiten und Anlässen entstanden; es geht um so "ominöse Subjekte", sagt Dorschel, wie "Die Rückkehr des Nationalen", das "Recht auf Heimat", um Oskar Lafontaine und Joschka Fischer. Wer interessiert sich in ein paar Jahren noch für diese Politiker, fragt der Rezensent, der bezweifelt, dass diese Texte die Entbindung von ihrem Anlass überdauern. Ein anderer Essayist fällt ihm da ein: W.G. Sebald, der zur selben Generation wie Schlink gehörte und "Anlassloses" schrieb, das den Unterschied zwischen Schlinks "Ansammlung ganz eloquenter Artikel" und Sebalds kunstvoller und anspielungsreicher Prosa für ihn deutlich vor Augen führt.
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