Die Geschichte der Medizin spiegelt den Umgang mit dem kranken Menschen, mit Elend und Siechtum. Kaum eine Berufsgruppe geht so nahe an menschliche Tabugrenzen wie Ärzte und Krankenschwestern. Die moderne Medizin hat in ihrer 500-jährigen Geschichte ein riesiges Arsenal an Strategien und Techniken entwickelt, um der Bedrohung durch Elend, Schmerz und Tod Herr zu werden. Der Patient ist ihr derweilen entglitten. Er wurde (und wird) in Anamnese, Untersuchung und Diagnose in Bestandteile zerlegt und jedweder Individualität beraubt. Die Fortschritte der modernen Medizin sind somit teuer erkauft.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 16.05.2003
Seit sich die Kulturwissenschaften mit der Medizin beschäftigen, "stellt sich diese weniger als Erfolgsstory, sondern eher als ein Panoptikum von Abgründen dar", beobachtet Arno Orzessek. In dieser Tradition sieht er auch das Buch von Bernhard Kathan, das an einer interessanten Schnittstelle von Prosa und Essay angesiedelt ist. Der Wissenschaft der Medizin wird darin zwar kaum Gerechtigkeit getan, ihre Errungenschaften kommen darin gar nicht vor. Die Defizite stehen eindeutig im Vordergrund: "Bei Kathan wird Medizingeschichte zum Spiegel mannigfaltiger Verlusterfahrungen der Moderne". Trotzdem findet der Rezensent das Buch ausgesprochen gelungen - je nach Zielgruppe lehrreich ebenso wie vergnüglich: "dem Laien zur Belehrung, dem Fachpublikum zum Vergnügen." Was will man mehr.
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