Bernat, genannt Bernie, ist Jude; seine Familie, die aus einem ungarischen Dorf stammt, wurde in Auschwitz ermordet, er selbst entkam nur knapp der NS-Vernichtungsmaschinerie. Fritz hingegen, Sallys Mann, wuchs in einem fränkischen Dorf als Hitlerjunge und Sohn eines Offiziers der Spionageabwehr auf. Zwischen ihnen entsteht eine Freundschaft, in der man zwar um die Geschichte des jeweils anderen während der Nazizeit weiß, aber eine Scheu empfindet, wirklich darüber zu sprechen. Doch nach einem gemeinsamer Urlaub in der ungarischen Heimat Bernies beginnen sie einander zu erzählen: Bernat beschreibt den Tag der Deportation, den Transport nach Auschwitz, die Selektion an der Rampe, den täglichen Kampf ums Überleben, den Todesmarsch und die Befreiung. Fritz stellt dem die Geschichte des Hitlerjungen gegenüber, erzählt vom Schulunterricht im Zeichen des Hakenkreuzes und des Krieges und von den Motiven, die ihn zur Auswanderung in die USA bewogen haben.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 27.11.2002
Sabine Fröhlich zeigt sich sichtlich bewegt von der "ungewöhnlichen Freundschaft" zwischen zwei Männern, die so unterschiedliche Schicksale hatten und erst im Lauf der Jahre lernten, sich darüber zu verständigen. Bernat Rosner, ein gebürtiger Ungar, wurde als 12-Jähriger nach Auschwitz deportiert und überlebte, als "arbeitsfähig" eingestuft; Frederic C. Tubach, Sohn eines deutschen Orchestermusikers und NSDAP-Mitglieds, wuchs in einem nazifreundlichen Milieu auf und ging nach dem Krieg nach Amerika, um dieser Welt den Rücken zu kehren. Rosner, der als einziger seiner Familie überlebte und jahrzehntelang das gewaltsame Ende seiner Kindheit in Europa verdrängt hatte, wie Fröhlich berichtet, offenbart nach längerer Bekanntschaft ausgerechnet Tubach seine Geschichte, der sie in der dritten Person aufzeichnet und parallel dazu seine eigene erzählt. Das Spannende des Projekts liege, so Fröhlich, in der Parallelführung der Biografien, die bis heute reicht: gemeinsam haben die beiden Männer sogar eine Reise in die Heimat Tubachs unternommen. Das nach diesen "dynamisch verlaufenden" Gesprächen entstandene Buch erfüllt für Fröhlich die Kriterien für "jenen Austausch, den Salomon Korn einmal als 'geteilte Erinnerung' bezeichnet hat".
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