Aus dem Englischen von Tanja HandelsFrau. Schwarz. Lesbisch. Prekär. Schriftstellerin. Vierzig Jahre lang waren das die Stigmata, mit denen Bernardine Evaristo konfrontiert wurde. Doch von Anfang an hat sie dagegen angekämpft, dagegen angeschrieben, sich eingesetzt. Für einen Raum der Vielfalt und Toleranz für alle. Die Geschichte der ersten Schwarzen Booker-Preisträgerin - ein Manifest dafür, niemals aufzugeben. Aufbauend auf ihrer Herkunft, Kindheit, ihrem Lebensstil, ihren Beziehungen und ihrer Kreativität zeigt Bernardine Evaristo, wie sich ihre Rebellion gegen den Mainstream der Kunst und ihr lebenslanger Einsatz für die Sichtbarmachung unerzählter Geschichten entwickelt hat.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 08.02.2022
Die hier rezensierende Autorin Jackie Thomae folgt interessiert der Lebensgeschichte von Bernadine Evaristo in ihrem "Manifesto". Die englisch-nigerianische Autorin erzählt darin persönlich und hochpolitisch von ihrem Weg zum Erfolg vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Entwicklungen in England. Trotz der Schwere, die einen Teil dieses Weges prägt, bleibt der Ton Evaristos stets wohltuend optimistisch, ist weder reine Opfergeschichte noch Positive-Thinking-Lektion, lobt Thomae. Das eigentliche Manifest, dass sich auf anderthalb Seiten am Ende des Memoirs wiederfindet, hätte amerikanisch-ratgeberisch wirken können, doch nach dem Lesen des eindrucksvollen Lebenswegs der Autorin wirken die Affirmationen eher wie eine erfrischende Belohnung, versichert die Kritikerin.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 05.02.2022
Anna Vollmer sieht in Bernadine Evaristo eine streitbare schwarze Feministin. Evaristos autobiografischer Text über ihren Werdegang ist laut Vollmer nicht frei von Selbstbeweihräucherung darüber, es gegen alle Widerstände zu einer erfolgreichen Schriftstellerin gebracht zu haben. Liest sich nicht immer angenehm, meint Vollmer, ist aber im Ganzen dennoch inspirierend. Letzteres, da Evaristo tatsächlich eine spannende Biografie hat und weil sie die gesellschaftlichen Widerstände gegen einen Weg, wie sie ihn gegangen ist, kennt und sie benennt, aber auch die gesellschaftlichen Fortschritte, erklärt Vollmer.
Rezensentin Jutta Person liest das brutal ehrliche Manifesto Bernadine Evaristos mit großem Interesse. Die 1959 geborene nigerianisch-englische Autorin lässt darin ihr Leben Revue passieren und propagiert zeitgleich die Kunst des positiven Denkens, indem sie jedem Scheitern stets rückblickend einen Nutzen zuspricht, erklärt Person. Evaristos stählerne Direktheit und aufgeräumte Poetik bringt die Rezensentin zum Grübeln und erinnert sie eher an mathematische Formeln als an "außer Kontrolle geratene Poesie". Absprechen will sie ihr eine Vorliebe für literarische Kontrollosigkeit aber nicht, denn im deutschsprachigen Raum kenne man ja erst einen ihrer Romane. Die Rezensentin freut sich schon auf weitere Übersetzungen.
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