Es ist die "Stunde der Spezialisten", wenn der größte Feind der Wahrheit nicht die Lüge ist, sondern die Überzeugung.
NS-Deutschland 1940: Max Koenig ist Professor für Altertumsforschung. Die Diagnose eines ererbten Nervenleidens, das einmal der "Schwarze Gast" hieß, reißt ihn aus seiner Karriere und fort von seiner italienischen Frau und der kleinen Tochter.
Barbara Zoeke gibt den Opfern und Tätern eines der verdrängten Verbrechen der Nationalsozialisten eine literarische Stimme - eine "Litanei auf die Farbe Schwarz"
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.10.2017
Rezensent Helmut Böttiger kann Barbara Zoekes Roman nur schwer einordnen. Wie ein Ding von einem anderen Stern erscheint er ihm, so traumwandlerisch sicher beherrscht die Autorin Stoff und Sprache, führt den Leser mitten ins Geschehen und bleibt dort, aus einer "barbarischen historischen Konstellation" eine poetische Atmosphäre destillierend, die nichts relativiert, sondern an etwas Menschliches erinnert, wie Böttiger staunend erläutert. Das Thema Euthanasie im Dritten Reich, die historisch genauen Details, das Wirken zweier ganz unterschiedlicher Hauptfiguren - all das verbindet Zoeke laut Böttiger kunstvoll und in nüchterner Sprache.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.10.2017
Rezensent Friedmar Apel empfiehlt die Lektüre von Barbara Zoekes Roman nicht nur jungen Medizinern. Anhand umfangreicher Recherchen, so erklärt Apel, gibt die Autorin den zu Akten gewordenen Opfern der Euthanasie ihre Identität zurück. Erzählt aus Sicht eines erkrankten Altertumsforschers einerseits und eines SS-Arztes andererseits, enthält sich der Text laut Apel jeder Dämonisierung und orientiert sich stattdessen an Arendts "Banalität des Bösen". Zoekes Kommentare und Anmerkungen belegen die Authentizität der spannenden wie bewegenden Geschichte, meint Apel.
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