Avirama Golan

Die Raben

Roman
Cover: Die Raben
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2007
ISBN 9783518418819
Gebunden, 251 Seiten, 19,80 EUR

Klappentext

Aus dem Hebräischen von Mirjam Pressler. Genia, Ende der dreißiger Jahre aus einem polnischen Städtchen eingewandert, kleinbürgerlich und paranoid, und Didi, im Kibbuz aufgewachsen und erfolgreiche Tel Aviver Fernsehjournalistin, zwei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Die Arbeit an einer Reportage über Mütter, in der Genia portraitiert wird, konfrontiert Didi mit sich selbst, ihrer Kindheit und Ehe. Während Didis scheinbar fest begründetes Leben auseinanderfällt, nimmt ihre kleine Tochter Zuflucht im Beobachten der in Israel weitverbreiteten Raben: Die Rabeneltern sind bestimmt von übergroßer Fürsorge für ihre Jungen, bis hin zur Aggression gegen alles, das diese zu bedrohen scheint und doch schützen sie sie nicht vor der einzig wirklichen Gefahr, den im eigenen Nest placierten Kuckuckseiern. Sie sehen zu und schweigen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.08.2007

Die Autorin Avirama Golan ist in Israel als Kommentatorin und Mitherausgeberin der Zeitung Haaretz und als Moderatorin einer Literatursendung sehr bekannt. Gleich ihr erster Roman "Die Raben" wurde dann zu einem Riesenerfolg. Es handelt sich um ein Gegenwartsporträt der israelischen Gesellschaft, erläutert die Rezensentin Maria Frise, am Beispiel dreier Ehepaare und von deren Kindern und Enkeln. Hauptfigur ist die Journalistin Didi, der auch eine Affäre nicht aus der Ehekrise, die eigentlich eine "Lebenskrise" ist, herauszuhelfen vermag. Alles, scheint es, gefällt der Rezensentin an diesem Roman. Er überzeugt sie als Gesellschaftsporträt, aber auch durch seine "außerordentlich sinnliche Sprachkraft" und den gekonnten Umgang mit Spannungsdramaturgie.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.06.2007

Die Autorin Avirama Golan ist in Israel eine öffentliche Figur, als Mitherausgeberin der Tageszeitung "Ha'aretz" und politische Kommentatorin. In ihrem Romandebüt "Die Raben" setzt sie sich nun mit der israelischen Gegenwart und Vergangenheit auseinander - und zwar in Form eines Familienromans, erklärt Rezensent Carsten Hueck. Die Hauptfigur in der Gegenwart ist die zwölfjährige Na'ama und an ihr demonstriere Golan das Muster, um das es ihr durchweg gehe: die Beschädigungen, die einem in der Familie zugefügt werden. In Israel, wo jede Frau im Schnitt drei Kinder gebiert, ist eine derartige Kritik an Familienzusammenhängen, betont der Rezensent, durchaus eine ungewöhnliche Sache. Erzählerisch sei der Roman komplex konstruiert, bewege sich in Abweichung von der chronologischen Ordnung durch das ganze 20. Jahrhundert, lasse vieles bloß angedeutet, dennoch ergibt sich für den Rezensenten ein Gesamtbild der israelischen Gesellschaft. Er berichtet vom großen Erfolg des Romans bei der israelischen Kritik wie beim Publikum. Mit einem eigenen Urteil hält er sich freilich zurück.
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