Herausgegeben von Heinz Ludwig Arnold. Ursprünglich im militärischen Bereich benutzt, avancierte der Begriff "Avantgarde" im Laufe des 20. Jahrhunderts zum Schlagwort für die Vorposten und die "Vorhut" in Kunst, Literatur, Politik und Gesellschaft. Seinen Kampfes- und Gefechtsklang behielt er jedoch bei: Historische Avantgarde-Bewegungen definierten sich im Angriff auf diejenigen, die sie für nicht mehr "vollkommen schlagfertig" hielten, und entwarfen ihre Manifeste, Utopien und Strategien auf dem Selbstverständnis von Traditionsbruch und radikaler Neuerung. Im Mittelpunkt dieses Bandes steht die Rolle der Avantgarden beim Aufbruch ins 20. Jahrhundert. Es geht dabei vor allem um einen differenzierten Überblick über unterschiedliche Avantgarde-Bewegungen im deutschsprachigen Raum. Aber es werden auch avantgardistische Texte "wieder gelesen": aus aktueller Perspektive.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.08.2002
Ansprechend und erfrischend antiakademisch, wie sich das für einen Sammelband zum Thema "Avantgarden" gehört, findet Alexander Kosenina den von Hans Ludwig Arnold herausgegebenen Materialband, der naheliegenderweise die Literatur ins Zentrum seiner Aufmerksamkeit rückt. Da gerade das Unabgeschlossene, Experimentelle, Assoziative ein Kennzeichen der Avantgarden ist, bemerkt Kosenina, seien sie auch schwer zu definieren und einzukreisen. Dieses Problem umschiffe der Band klugerweise, indem er sich den verschiedensten Bewegungen des 20. Jahrhunderts einfach überlasse. Ihre Programmatik - Dadaismus, Futurismus, Expressionismus etc - erschließe sich am besten, wie der Band belege, über den Kontext der sie begleitenden sozialen und politischen Aufbruchsbewegungen. Auf diese sozial- und literaturhistorischen Exkurse folgt ein zweiter Teil, berichtet Kosenina, der unter der Überschrift "Lektüren" einzelnen Texten auf der Spur sei. Verschiedene Persönlichkeiten bieten ihre Lesart an: Autoren wie Heißenbüttel, Kling oder Barbara Köhler kommen dabei zu Wort, aber auch der Politiker Norbert Blüm, der Gottfried Benns "Morgue" interpretiert.
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