"Die Geschichte der RAF ist auch eine der Bilder, die sie inszeniert, beschworen und hinterlassen hat: wenn ich heute die in diesem Buch versammelten Photos betrachte, sind die, auch für mich als einstige Akteurin der Roten Armee Fraktion, ein Stück Zeitgeschichte. Sie sind Dokumente der wohl dramatischsten Auseinandersetzung in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Sie zeugen vom Tod in einem nicht erklärten Bürgerkrieg, sie zeugen von Tragik. Sie bringen unmittelbar zu Ausdruck, wie sich aus einer spontanen Rebellion, auf die der Staat mit überzogener Härte reagierte, eine gnadenloser, sinnloser Kampf entwickelt hat. Dieses Buch ist naturgemäß auch eine Annäherung an meine eigene Geschichte und die von Mythen verzerrte Geschichte der RAF."
Leicht unbehaglich fühlt sich Rezensentin Renee Zucker beim Lesen und Betrachten von Astrid Prolls erweiterter Neuausgabe ihres Fotobandes "Hans und Grete", der ein "Wiedersehen mit dem Stadtguerillakitsch" bietet. Irritierend findet sie schon Prolls einleitenden Essay, in dem diese von der "jugendlichen Kraft, Vitalität und ungeschminkten Schönheit" schwärme, die "aus den Gesichtern und Körpern" der RAF-Terroristen spreche. Zwar bekennt Zucker, einst ähnlich "ignorant und arrogant" gewesen zu sein. Aus heutiger geläuterter Perspektive aber kommt sie zu dem Schluss, "dass diese rechthaberische Haltung nicht so sehr weit entfernt war von der militanten Spießigkeit des Wertesystems". Vor allem den "selbstgerechten Ton" findet sie störend. Der Essay offenbart für sie "eine Art von Eingefrorenheit in einem großen Irrtum", etwa wenn Proll über die RAF-Leute verlauten lasse: "Für mich sind sie Menschen... die unmenschliche Taten begingen, nicht weil sie Kriminelle, Irre oder Monster waren, sondern weil sie die Ungerechtigkeit und Unterdrückung dieser Welt nicht ertragen und nicht als unabänderbar hinnehmen konnten." "Ein bisschen mehr Selbstkritik und Distanz", resümiert die Rezensentin, "wäre da angenehm gewesen".
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