Artur Domoslawski

Ryszard Kapuscinski

Leben und Wahrheit eines 'Jahrhundertreporters'
Cover: Ryszard Kapuscinski
Rotbuch Verlag, Berlin 2014
ISBN 9783867891851
Gebunden, 704 Seiten, 29,95 EUR

Klappentext

Bereits zu Lebzeiten genoss Ryszard Kapuściński (1932-2007) den Ruf eines "Jahrhundertreporters", und auch sechs Jahre nach seinem Tod gilt er immer noch als der meistgelesene Autor Polens. Seine Bücher - darunter "Schah-in-Schah" über die Revolution im Iran, "Fußballkrieg" über El Salvador und Honduras und "Imperium" über den Untergang der Sowjetunion - wurden in über zwanzig Sprachen übersetzt. Begegnungen mit Che Guevara oder dem kongolesischen Rebellen Patrice Lumumba mehrten seinen Ruhm, aber viele dieser Begebenheiten hatte er, wie Artur Domosławski in seiner Biografie nachweist, frei erfunden. Aber nicht nur die Arbeitsweise dieses Wegbereiters der modernen Reportage verdeutlicht Domosławski in seinem Buch, er zeigt auch, dass Kapuściński nicht nur ein genialer Autor, sondern auch ein genialer Selbstvermarkter war. In Polen hat das Buch mit seinen zahlreichen kritischen Anmerkungen eine große Debatte über Kapuściński ausgelöst, aber ebenso hat es dazu beigetragen, ihn und sein Werk wieder zu neuem Leben zu erwecken.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.09.2014

Gerhard Gnauck gibt Entwarnung: Bei Artur Domoslawskis Buch über die polnische Reporterlegende Ryszard Kapuscinski handelt es sich weder um einen Denkmalsturz noch um einen "postumen Vatermord", sondern um eine kritischer Biografie, die im Allgemeinen recht nachvollziehbar und gut argumentiert einige Dinge klarstellt: Etwa dass Kapuscinski nie mit Che Guevara oder Patrice Lumumba zusammengekommen ist, wie seine Verlage auf den Klappentexten posaunten, dass er die Wirklichkeit nicht unbedingt verfälschte, aber doch "literarisch wahrer" zeichnete, dass er mit dem polnischen Geheimdienst zusammengearbeitet hat. Manchmal erscheint der Drang zur Aufklärung etwas zwanghaft, das räumt Gnauch ein, aber nicht fehlgeleitet.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.06.2014

Rezensentin Marta Kijowska versichert, dass die nun von Artur Domoslawski unter dem Titel "Leben und Wahrheit eines Jahrhundertreporters" herausgegebene Biografie über Ryszard Kapuscinski einige Überraschungen parat hält. Sie erfährt hier, dass der polnische Journalist, der zahlreiche herausragende Artikel insbesondere aus der Dritten Welt verfasste, jedes seiner Bücher in den Bestseller-Listen platzierte und zum Mythos wurde, durchaus auch selbst und nicht gerade knapp zur Legendenbildung um seine Person beitrug. So liest Kijowska etwa, dass Kapuscinski Politiker wie Che Guevara oder Patrice Lumumba entgegen seiner Behauptungen gar nicht selbst traf, viele Erschießungen, denen er angeblich entkommen sei, selbst erfunden habe oder autobiografische Daten verfälscht habe. Dabei, so die Kritikerin, gelinge es Domoslawski, seinen einstigen Mentor nie als Lügner darzustellen, sondern dessen Arbeitsweise - einen freien, nahezu literarischen Umgang mit Fakten - als solche erkenntlich zu machen und auf diese Weise den Mythos Kapuscinski nicht zerstöre, sondern vielmehr respektvoll und informativ zu erweitern.
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