Herausgegeben von Evelyne Polt-Heinzl und Isabella Schwentner. Vollständige Wiedergabe der Handschriften-Faksimiles mit umfangreichem literaturwissenschaftlichen Kommentar. Nach "Lieutenant Gustl" (2011) erscheint mit "Anatol" der zweite Band der historisch-kritischen Ausgabe von Arthur Schnitzlers Frühwerk. Er enthält die Faksimiles der Manuskripte zu den sieben Einaktern in der Reihenfolge ihres Entstehens. Diese frühen Fassungen unterscheiden sich zum Teil noch beträchtlich von der späteren Textgestalt im Zyklus. Das Gegenüber von Original und präziser Transkription macht die Entzifferung von Schnitzlers berüchtigt schwer lesbarer Handschrift nachprüfbar. Der Lesetext folgt der Erstausgabe des Zyklus. Darüber hinaus enthält der Band zum Teil erstmals publizierte Texte - Einakter, Prosatexte und Gedichte - aus dem Umfeld des Entstehungsprozesses, die über die Anatol-Figur oder durch thematische Bezüge mit dem Zyklus verbunden sind. Der Band wird erschlossen durch editorische Apparate, einen literaturwissenschaftlichen Kommentar sowie einen ausführlichen Editionsbericht. Die Ausgabe erlaubt damit erstmals Einblicke in die komplexe Werkgenese dieses Einakterzyklus, der Arthur Schnitzlers Ruhm begründete.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.03.2013
Lorenzo Bellettini staunt über diese "herkulische Publikationsleistung" einer historisch-kritischen Ausgabe von Schnitzlers Einakter "Anatol", die einen ausgiebigen Blick auf die jahrelange, mühevolle Arbeit hinter dem schlanken Werk gestattet. So sichtet Bellettini Arbeitsskizzen, variierende Szenen und Korrespondenzen, die unter anderem den Schluss zulassen, dass Schnitzler sein Stück aus Arbeiten an verschiedenen Werken amalgamisierte. Beeindruckt ist der Rezensent von der Hartnäckigkeit, mit der der Autor an sein Werk ging, aber auch davon, wie behende er sich manche Szene aus dem Ärmel aufs Papier schüttle. Voller Spannung beobachtet er überdies, wie sich die Keimprozesse früher Motive hier enthüllen und sich Prozesse der literarischen Arbeit dem Leser und Forscher offenbaren. "Hochverdient" also ist diese Ausgabe, die künftigen Schnitzler-Exegeten reichhaltiges Material an die Hand gibt, schließt Belletini.
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