Arnold Zweig

Erziehung vor Verdun

Roman
Cover: Erziehung vor Verdun
Aufbau Verlag, Berlin 2001
ISBN 9783351034054
Gebunden, 584 Seiten, 40,85 EUR

Klappentext

Herausgegeben von der Humboldt-Universität zu Berlin und der Akademie der Künste, Berlin. Noch in den 30er Jahren in acht Sprachen übersetzt, blieb dieser Roman deutschen Lesern bis nach dem Zweiten Weltkrieg vorenthalten. Diese neue Ausgabe, im Wortlaut der Erstausgabe von 1935, bietet im umfangreichen Anhang eine Fülle von Material zur Entstehungs- und Wirkungsgeschichte. - Verdun, Inbegriff für die erste große Materialschlacht und Massengrab im Ersten Weltkrieg, wird für den Schriftsteller Bertin zum Ort des Umdenkens. Ebenso erbittert wie vergeblich arbeitet der - in doppelter Bedeutung - kurzsichtige Intellektuelle an der Aufdeckung eines Mordes. Die Erfahrungen der geschichtlichen Entwicklung bis 1933 vor Augen, demonstriert Zweig im Roman, wie gerade die gefährlichen Figuren unter den Etappenoffizieren mit ihren chauvinistischen Parolen in den letztlich mörderischen Intrigen siegen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 12.01.2002

Viel Gutes hat Hannelore Schlaffer über den hier in einer neuen Ausgabe erschienen Kriegsroman von Arnold Zweig nicht zu sagen. Gerade im Vergleich mit Remarques "Im Westen nichts Neues" fällt ihr auf, wie zaghaft Zweig "mit den Grausamkeiten des Krieges umgeht". Allzu "leicht verdaulich" kommt ihr der Schrecken daher. Darüber hinaus treten die Figuren, findet sie, eher als Sprachrohre des Autors auf, statt eigenes Gewicht zu gewinnen. Nicht zuletzt das von Eva Kaufmann, wie Schlaffer meint, "mit Geschick" arrangierte Nachwort lässt die Probleme des Romans deutlich hervortreten: in eigenen Aussagen, in Mahnungen des Freundes Lion Feuchtwanger und in "Dokumenten zur Wirkungsgeschichte". Feuchtwanger missfiel vor allem das "Pathos des Helden" - dennoch fand der Roman eine Reihe von Bewunderern, darunter Bert Brecht. Hannelore Schlaffer gehört nicht dazu.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.07.2001

Für den Rezensenten ist es schlicht "das beste deutsche Kriegsbuch seit Grimmelshausens 'Simplicissimus'", Ernst Jüngers Texte, findet er, schrumpfen gegen diesen gelungenen Versuch, mit analytischer Schärfe zu erzählen, "aus welcher Gesellschaft der Erste Weltkrieg hervorgegangen ist und wie sie in ihm fortbesteht, als wilhelminische Klassengesellschaft", dem Unternehmen also, "im Fokus des Kriegs die ganze Epoche zu zeigen", zu "narzisstischen Fronterlebnisaufsätzen" zusammen. Allerdings kommt Kurt Oesterle nach anfänglicher Begeisterung rasch auf die Zweischneidigkeit solchen Lobs zu sprechen. Schließlich, erklärt er, trete man damit in die "marxistische Hauptspur der schon älteren Rezeption". Man merkt Oesterle die Enttäuschung darüber an, dass ihm auch das Nachwort dieser Neuausgabe keinen Ausweg aus diesem Dilemma weist. Aber gut, andere Frage: Was eigentlich ist lebendig geblieben an dem Buch, was ist ästhetisch überzeugend? Die Fabel ist es nicht und auch nicht "die vielen Ideendialoge und Weltanschauungsdebatten" - alles "nicht auf Dostojewskij-Höhe", meint Oesterle. Nein, es ist etwas anderes: Zweigs eigene Kriegszeugenschaft mit Hirn, Haut und Sinnen - homerisch, schrecklich; "Zweig lesend, wird man zum Archäologen dieses Kriegs."

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