Aus dem Portugiesischen von Maralde Meyer-Minnemann. In seinem zweiundzwanzigsten Roman taucht António Lobo Antunes in den Alentejo ein, das große Herzstück Portugals zwischen der Algarveküste und dem Tal des Flusses Tejo. Hier singen die Bauern vom Meer, obwohl sie es selbst nie gesehen haben; hier züchtet eine Großgrundbesitzerfamilie seit Generationen Stiere für den Kampf, doch nun droht der Ruin. Dona Maria José Natércia liegt auf ihrem Landgut im Sterben. Einst wurden hier berühmte Stiere für den Kampf gezüchtet, doch ihr inzwischen verstorbener Mann hat die Familie durch seine Spielsucht in den Ruin getrieben, und die Kinder haben ganz eigene Interessen. Da ist Beatriz, die früh schwanger wurde und heiraten musste, da ist Anna, die immer als intelligenteste von allen galt und jetzt stiehlt, um ihre Drogensucht zu finanzieren. Da ist João, der Liebling der Mutter, der homosexuell ist und sich im Parque Eduardo VII in Lissabon, einer einschlägigen Adresse, herumtreibt. Und da ist Francisco, der seine Geschwister hasst und beabsichtigt, den Besitz nach dem Tode der Mutter ganz an sich zu reißen. Auch Rita, die früh an Krebs gestorben ist, sowie der tote Vater bekommen ihre Stimme in diesem faszinierenden Wechselgesang aus Bewusstseinsströmen, die Lebenden und die Toten vereinen sich, um Zeugnis abzulegen vom Zerfall.
Was Juan Goytisolo im literarischen Feld für das postfaschistische Spanien leistet, das erbringt im benachbarten Portugal António Lobo Antunes, schreibt Eberhard Geisler: Beide befassen sich mit den Trümmern, die die Geschichte in ihrem Land hinterlassen hat, was sich bei Antunes auch - und im vorliegenden Roman meisterlicher denn je - in einem grundsätzlich "polyphonen Verfahren" äußert, merkt Geisler an: Das in der portugiesischen Oberschicht angesiedelte Werk über eine nach innen entfremdete Familie setzt sich wechselweise aus den Perspektiven ihrer Protagonisten zusammen, in die sich allerdings auch die Stimmen der anderen Figuren schieben, erklärt der Rezensent mit weihevoller Bewunderung für die Konsequenz, mit der Antunes die Verlässlichkeiten erzählerischer Instanzen untergräbt. Doch nicht nur dieser bewusste Bruch des illusorischen Kunstcharakters begeistert den Kritiker, auch der "lyrische Charakter der Sprache" nimmt ihn allen Sperrigkeiten zum Trotz ganz gefangen. Am Ende ist er sich sicher: Dieses Werk, womöglich Antunes' Vermächtnis und sicher in der Tradition Fernando Pessoas stehend, wird in die Literaturgeschichte eingehen.
Juli Zeh: Pony Show Eine prominente Verlegerin unter Mordverdacht. Ein spektakulärer Schwurgerichtsprozess. Und die Frage: Wie verhandelbar ist die Wahrheit? Sie ist über fünfzig, verheiratet… Shida Bazyar: Die Lücken Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre… Botho Strauß: Bleiben und Blicken In Botho Strauß' neuem Buch geht es um die Zeit und ihr Vergehen, um den Zauber der Kunst, um das Originale und das Eigentliche. Vor allem sind es Begegnungen und Nichtbegegnungen,… Dana Vowinckel: Anton und Alma Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…