Die Jahre von 1900 bis ca.1940 wurden durch eine Generation von glänzenden Dichtern, Pädagogen, Komponisten, Philosophen, Tänzern, Schriftstellern und Politikern geprägt, die ihre Zeit als Übergang erlebten und eine mit revolutionären und religiösen Erwartungen erfüllte Endzeit herbeisehnten. Dazu gehörte auch die radikale Ablehnung der Weimarer Republik, die teilweise in den Vorhöfen (und in den Lagern) von Faschismus, Nationalsozialismus und sowjetischem Kommunismus endete.
Antonia Grunenberg stellt Walter Benjamin als den kühnsten europäischen Denker seiner Zeit in den Mittelpunkt ihres Buches und entfaltet von ihm aus das Drama der deutschen Intelligenz in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.01.2019
An einer Walter-Benjamin-Biografie hat sich schon mancher versucht, weißt Rezensentin Hannelore Schlaffer. Dass die Politikwissenschaftlerin Antonia Grunenberg nun Benjamin in den Mittelpunkt stellt, um Aufstieg und Fall der deutschen Intelligenz einer ganzen Epoche zu schildern, macht die Sache nicht einfacher, meint die Kritikerin, findet aber: Grunenberg schlägt sich tapfer. Chronologisch und faktentreu handele die Autorin Benjamins Leben und Werk ab, leider ohne Mut zur Lücke, wie Schlaffer hinzufügt. Dass Grunenberg dann aber auch noch nahe und ferne Weggefährten mit vergleichbarer wissenschaftlicher Korrektheit beleuchtet, um den Untergang der Genies zwischen 1900 und 1940 darzustellen, findet die Kritikerin schade. An Stelle einer derart ausführlichen "Regieanweisung" zur Epoche hätte sie lieber ein paar kritische Betrachtungen Grunenbergs gelesen.
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