Annie Ernaux

Eine Leidenschaft

Über die kleinen Demütigungen und Erniedrigungen der Besessenheit und des Verlassenseins
Cover: Eine Leidenschaft
Suhrkamp Verlag, Berlin 2024
ISBN 9783518225530
Gebunden, 80 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Sonja Finck. Annie Ernaux erzählt von einer alles verzehrenden Leidenschaft für einen irritierend teilnahmslosen Mann. Das körperliche Leiden, die Angst des Wartens, die immer nur kurze Erleichterung des Liebemachens, die darauffolgende Lethargie und Müdigkeit, das erneute Verlangen, die kleinen Demütigungen und Erniedrigungen der Besessenheit und des Verlassenseins - Annie Ernaux berichtet von einer schmerzlich langen Episode ihres Lebens; wie sie sich immer heftiger in eine Affäre verstrickt, einem verheirateten osteuropäischen Geschäftsmann verfallen, der eine vage Ähnlichkeit mit Alain Delon hat, schnelle Autos und Alkohol mag und im Französischen keine "obszönen Ausdrücke kennt, oder er hatte einfach keine Lust, sie zu benutzen". Annie Ernaux beschreibt einen zweijährigen Schwebezustand, worin jedes Wort, jedes Ereignis und jede andere Person entweder eine dringliche Verbindung zu diesem Mann hat oder aber von ihr mit kalter Gleichgültigkeit beschieden wird.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 03.07.2024

Interessiert liest Rezensentin Judith von Sternburg die deutsche Erstübersetzung dieses Buchs von Annie Ernaux über das Ende einer Affäre. Es steht die Abhängigkeit einer Frau zu ihrer Affäre im Vordergrund, erfahren wir. Dabei will Ernaux ihre Figur nicht erklären, sondern bloß beschreiben. Ernaux reflektiert die Gefühle der Frau in einer für die Autorin untypischen "poetologischen Erweiterung", besonders als das "Desaster und Weltende", das Ende der Affäre, eintritt und die Frau doch schnell darüber hinwegkommt, staunt die Kritikerin. "In atemberaubender Nüchternheit" hat es Sonja Finck geschafft, diesen Roman ins Deutsche zu übertragen, lobt die Kritikerin noch.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 21.06.2024

Rezensentin Meike Feßmann hält die Neuübersetzung des schmalen Buches von Annie Ernaux aus dem Jahr 1991 über eine Ende der 1980er Jahre spielende Liebesaffäre für einen Glücksfall. Die Abhängigkeit einer Frau von ihrem Liebhaber und ihrem eigenen Begehren schildert die Autorin laut Feßmann autofiktional in dem Sinn, dass Leben und Schreiben bzw. die damit verbundene Reflexion gleichrangig nebeneinander stehen. Eine reflektierende Prosa jenseits von Ironie, in der das Begehren ganz ohne die Möglichkeiten digitaler Zerstreuung genau betrachtet wird, erklärt Feßmann begeistert.

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