Anna Weidenholzer

Finde einem Schwan ein Boot

Roman
Cover: Finde einem Schwan ein Boot
Matthes und Seitz, Berlin 2019
ISBN 9783957577689
Gebunden, 212 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Eine ganz normale Siedlung in einer weit vom Meer entfernten Stadt, deren Hochöfen in der Ferne glühen. Nachbarn, wie sie jeder kennt: oben Herr Fleck, gegenüber Karla und Heinz mit ihrem Chinchilla, auch Briefträger Franz gehört dazu, ebenso wie Frau Richter, die sie alle scharf beobachtet. In Marias Café trifft sich die nachbarliche Zufallsgemeinschaft ab und an und hört die sogenannte Professorin über menschliches Verhalten referieren. In diesem Geflecht von Beziehungen finden sich Elisabeth und der Journalist Peter wieder. Er, der gerne Kartenhäuser baut und noch nie Fragen stellen konnte, ist froh über seine Anstellung im Politikressort einer neuen Zeitung. Doch als er beginnt, zu politischen Themen Stellung zu nehmen, wird er Elisabeth, die nachdenklich zu ergründen versucht, was ihr Zuhause ausmacht, zu einem Fremden.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 02.10.2019

Rezensentin Veronika Schuchter zweifelt nicht an Anna Weidenholzers großem literarischen Talent. Leider könne man das in ihrem neuen Roman nur erahnen, bedauert sie. Der Anfang zum Beispiel mit seiner spielerischen Sprache, seinem "verrätselten, schlanken Realismus" weckt große Hoffnungen bei der Rezensentin, doch dann ermüdet sie die Banalität des hier beschriebenen Paares Peter und Elisabeth. Gewiss, ihre Verschiedenartigkeit und vermeintliche Gemeinschaft steht auch symbolisch für eine Gesellschaft, die in verschiedene Fraktionen zerfällt, welche aneinander vorbei statt miteinander leben und zwischen denen kein echter Austausch, keine Verständigung mehr möglich ist. Um das zu verstehen, so Schuchter, hätte es jedoch nicht diese ermüdende Ausführlichkeit gebraucht, mit der Weidenholzer eine durch und durch spießige Beziehung schildert. Stattdessen hätte die Rezensentin lieber mehr über die Sherry trinkende Professorin erfahren, die im Café Maria über sozialwissenschaftliche Studien berichtet, statt über den öden Peter. Sieht man von dieser Schwäche ab, ist Schuchters Roman jedoch eine intelligent konzipierte Sozialstudie, die zeigt, wie aus den Nischen des Alltags, den kleinen Angewohnheiten und Gesten, Xenophobie und Totalitarismus wachsen, so die abwägende Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.09.2019

Wiebke Porombka empfiehlt Anna Weidenholzers Roman über das Missverstehen, faule Paarbeziehungen und die Erträglichkeit des Seins. Wie die Autorin dem Mittelmaß in zwei Mehrfamilienhäusern und bei ihren Bewohnern nachspürt, zwischen Schrankwänden und kleinen Fluchten, scheint der Rezensentin Hinweise auf gesellschaftspolitische Verschiebungen unserer Tage zu enthalten - in der österreichischen Heimat der Autorin wie in Deutschland. Stark erscheint ihr, wie realistisch Weidenholzer ihr Personal anlegt, sodass die Figuren ohne Kommentar für sich sprechen und der Leser sogar ihre Träume für wirklich hält. Ein eigenwilliger, subtil witziger Text, findet die Rezensentin.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 31.08.2019

Paul Jandl hätte sich Erlösung gewünscht für die Stadtrand-Indianer in Anna Weidenholzers Roman. Die Autorin kann laut Jandl zwar ganz gut mal satirisch, mal träumerisch von inselhaften Gefühlswelten zwischen Schrankwänden und Einkaufszentrum erzählen und wie alle immer aneinander vorbeireden und -lieben, echte Geschichten werden daraus in diesem Buch aber zu selten, bedauert Jandl. Was bleibt, ist eine "Menagerie der Langeweile", so Jandl.
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