Aus dem Russischen von Rolf Junghanns. Eine für mitteleuropäische Verhältnisse unwirtliche Region, monatelanger Frost, Schnee, scheinbar dürftige Lebensbedingungen. Ein Mann und drei Frauen; eine unerfüllte, eine sich vielleicht nie erfüllende Liebe und das Diktat der Tradition: Heirate, gründe einen Hausstand, zeuge Kinder, züchte und hüte Rentiere - verkaufe sie. So die Lebensmaxime vieler Nenzen seit vielen Jahrhunderten. Aber der Protagonist der Erzählung verweigert sich. Er sucht nach dem individuellen Glück, wie es für uns ganz selbstverständlich, aber bei den Nenzen noch immer die Ausnahme ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.05.2021
Rezensent Tilman Spreckelsen entdeckt eine seltene Lektüre mit Anna Nerkagis Roman über das nomadische Dasein der Nenzen im nördlichen Russland, ihre Begegnungen mit der modernen Welt und die daraus entstehenden Konflikte. Das im Original 1996 erschienene Buch führt Spreckelsen in eine animistische Welt beseelter Bäumem, denkender Berge und würdevoller Rentiere. Beeindruckend findet er die nüchterne Anschaulichkeit, mit der sich die Autorin den Ambivalenzen der nomadischen Lebensweise zuwendet, die sie aus eigener Erfahrung gut kennt.
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