Angelika Overath

Alle Farben des Schnees

Senter Tagebuch
Cover: Alle Farben des Schnees
Luchterhand Literaturverlag, München 2010
ISBN 9783630873404
Gebunden, 254 Seiten, 18,99 EUR

Klappentext

Wie lebt es sich an einem Sehnsuchtsort? Ferienorte sind flüchtige Heimat. Oft verbinden sie sich mit dem Wunsch, für immer bleiben zu können. Und doch reisen wir ab. In der Regel. Die Reporterin und Romanautorin Angelika Overath hat sich, zusammen mit ihrem Mann und dem jüngsten Sohn, aufgemacht, aus einem Traum Realität werden zu lassen. Die Familie ist nach Sent ins Unterengadin gezogen. Ihr Buch erzählt, wie sich Wahrnehmungen und Lebensweise ändern, wenn das Feriendorf in den Bergen zum festen Wohnort wird.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.10.2011

Die Autorin Angelika Overrath hält in ihrem "Senter Tagebuch" Alltagseindrücke aus ihrer neuen Wahlheimat fest und ist damit einer Anregung ihres Verlags gefolgt, wie wir von Rezensentin Anja Hirsch erfahren. Die Rezensentin jedenfalls ist dankbar dafür, denn das Buch trifft ganz offensichtlich ihren Geschmack. Statt täglicher Pflichtübungen habe sich Overath Erkundungen gewidmet, die das Verhältnis von Orten und Menschen allgemein betreffen. So hat die Kritikerin beispielsweise erfahren, "wie eine Gegend ins Innere der Bewohner einzieht". Natürlich findet in der Rezension auch das eine oder andere bemerkenswerte Detail aus Overaths neuer Heimat Erwähnung. Lang ist der Winter in den rätoromanischen Bergen, lesen wir, so lang und weiß, dass die Farbwahrnehmung der Autorin sich geändert habe. Auch von geschichtsträchtigen Häusern, hilfsbereiten Nachbarn und der Schönheit der Unterengadiner Dolomiten ist die Rede. Letztlich aber punktet Overath bei der Rezensentin vor allem, weil es ihr gelingt, "Leben in Sprache zu verwandeln".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 24.02.2011

"Wunderbar" findet Markus Clauer dieses Buch, in dem die Autorin Angelika Overath erzählt, wie sie mit ihrer Familie von Tübingen in das einsame Bergdorf Sent im Unterengadin zog: "Wie das so geht bei der werktätigen Intelligenz." Auch wenn Overath manchmal nur beschreibt, wie sich der Schnee verändert oder wie schön der Rittersporn im Garten der Nachbarin blüht, staunt Clauer doch, wie gefesselt er diesem Bericht von einer Assimilation ans rätoromanische Dorfleben folgt. Klarstellen möchte er auch, dass es sich hierbei nicht einfach um ein Tagebuch handelt, sondern auch um Dorfchronik, Landvermessung und "poetischen Wetterbericht".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.02.2011

Voll des Lobes ist Rezensentin Sibylle Birrer nach der Lektüre von Angelika Overaths "Alle Farben des Schnees". Ihre Erfahrungen, als deutsche Intellektuelle mit ihrer Familie in das Bündner Bergdorf Sent zu ziehen, schildere die Autorin in einer gekonnten Mischung aus persönlicher Selbstbeobachtung, literarischer Berichterstattung und journalistischer Neugier. So erfährt Birrer einiges über die Geschichte und Traditionen des kleinen Bergdorfes und begleitet die Erzählerin zugleich durch die alltäglichen Ereignisse und Probleme, die der Aufbruch mit sich bringt. Während Overath von ihren Mühen berichtet, das Rätoromanische zu erlernen, ist von derartigen Sprachproblemen in ihrer Erzählung nichts zu bemerken, so die Rezensentin: wenn sie die toten Gemsen beschreibe, die "in einer blumenhaften Drehung" im Kofferraum des Jägers liegen, zeige sich die Fähigkeit der Autorin, ihre Beobachtungen respektvoll distanziert in Sprache zu übertragen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 31.01.2011

Mit Vergnügen und intellektuellem Gewinn lässt sich Christoph Schröder von der Autorin die Maßstäbe neu setzen. Angelika Overaths Tagebuch aus ihrer neuen Heimat Sent im Unterengadin besticht laut Schröder nicht nur durch einen veritablen Formenmix, sondern vor allem durch Sympathie für Land und Leute und einen genauen Blick auf das Fremde, mit dem schon klischeehaften Effekt, das dass Eigene deutlicher wird, hier allerdings noch mehr das Fremde, wie Schröder erfreut feststellt. Ja, und sinnlich ist es auch noch, das Buch, indem es mit den Jahreszeiten geht, mit den Gerüchen und Geräuschen des Dorfes und seiner Bewohner, all dies ohne Kitsch und auch ohne kulturkritisches Lamento. Obwohl die Autorin anfängt, an "Reinheitsbehinderung" zu leiden, sobald sie wieder mal in die Stadt muss.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 29.01.2011

Liebevoll und ausgiebig zitierend schreibt Jochen Schimmang, selbst Schriftsteller, über Angelika Overaths Annäherung an den Ort Sent im Unterengadin, ein Dorf, in dem bis weit in den März hinein Schnee in den weißesten Schattierungen liegt und dessen Flüsse, je nachdem auf welchem Berghang sie entspringen, ins Schwarze Meer, die Nordsee oder die Adria münden, denn das Engadin, so lernt Schimmang von Overath, ist die wichtigste Wasserscheide Europas. Overath hat sich mit ihrer Familie in Sent niedergelassen, und Schimmang staunt, wie präzise die Autorin dieses Ankommen in einer doch recht fremden, überdies romanischsprachigen Welt beschreibt. Eine Menge Grenzen muss Overath hierfür überwinden - und Missverständnisse: Das Schild:? Na pavlar ils chavals?, das an den Weiden steht, hatte sie mit "Nicht mit den Pferden sprechen" übersetzen wollen. Aber nein. "Pavlar" heißt füttern.