Annemarie und Dani hatten eine Zeit voller Lachen und Weinen, doch jetzt ist die Beziehung aus und vorbei. Da kommt dem Anfang 20-Jährigen das Auslandsjahr in Nantes gerade recht. Es ist September 2001. Die westliche Welt schaut auf die Trümmer der Twin Tower, während Dani in Frankreich den Scherbenhaufen aus seinem eigenen Leben betrachtet. Er versucht sich seiner selbst und seiner Gefühle sicher zu werden. Turbulent geht es in seinem Leben zu, auch wehmütig, und natürlich geistreich-witzig: amouröse Irrungen und Wirrungen, literarische und politische Erweckungserlebnisse, das Leben im Augenblick und jede Menge Wendepunkte. Ganz im Sinne eines Flaneurs lässt Dani die Gedanken während seiner langen Spaziergänge schweifen und kreisen, erkundet und porträtiert die Stadt Nantes, verneigt sich vor der französischen Literatur, wie z. B. Verlaine und Rimbaud oder Houellebecq, und ergibt sich ganz dem Savoir-vivre. Ein nostalgischer, aber niemals verklärter Blick auf ein Damals.
Rezensent Nico Bleutge empfiehlt Andreas Unterwegers Roman mit kleinen Einschränkungen. Klar, die Geschichte um Dani, der im September 2001 ein Erasmus-Jahr in Nantes beginnt, den Einsturz der Twin-Towers und sein plötzliches Beziehungsende zusammendenkt und schließlich auch noch über historischen Sklavenhandel und aktuelle Fluchtbedingungen sinniert, mag ein wenig konstruiert scheinen, räumt Bleutge ein. Und doch ist es erstaunlich, wie geschickt Unterweger die einzelnen Motive montiert - und immer wieder auch Lektüren, Verse von Rimbaud etwa, oder Sätze von Houellebecq einflicht, fährt der Kritiker fort. Vor allem aber ist es die Form, die Bleutge beeindruckt: Die "Bewegung der Erinnerung" bildet der Autor in einzelnen Szenen und Bildern gekonnt ab, schließt der Rezensent.
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