Andras Nyerges

NichtvordemKind!

Cover: NichtvordemKind!
Albrecht Knaus Verlag, München 2007
ISBN 9783813502817
Gebunden, 207 Seiten, 16,00 EUR

Klappentext

Aus dem Ungarischen von Andrea Ikker. Mit einem Nachwort von György Dalos. Budapest 1944: Der vierjährige Andras lebt mit seinen Eltern und der bigotten katholischen Großmutter Iren in einer ärmlichen Mietwohnung. Er fürchtet sich vor der strengen Iren, die aus für ihn unverständlichen Gründen auch seine Eltern beherrscht. Seine jüdischen Großeltern mütterlicherseits wohnen auf der anderen Seite der Donau im vornehmen Buda. Wie gerne ist der kleine Andras bei ihnen zu Besuch, doch die Sonntage in der Wohnung mit den vielen Büchern und dem feinen Porzellan führen immer zu Spannungen zwischen seinen Eltern und Großmutter Iren. Irgendetwas scheint die Familien zu trennen, und Andras versteht nicht, was es ist. Eines Tages verschwinden die geliebten Großeltern aus Buda spurlos. Für Andras bricht eine Welt zusammen. Doch Großmutter Iren ist froh, die verhasste Verwandtschaft endlich los zu sein. Andras Nyerges erzählt die dramatischen Ereignisse in dem von Deutschen besetzten Ungarn konsequent aus der Sicht eines kleinen Jungen, der voller Wachsamkeit und kindlicher Neugier wahrnimmt, was um ihn herum passiert, aber die komplizierte Welt der Erwachsenen nicht verstehen kann.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.10.2007

Rezensentin Ilma Rakusa zeigt sich tief beeindruckt von diesem Buch, in dem Andras Nyerges aus seiner Familiengeschichte erzählt. Im Kriegsjahr 1944 in Budapest spielt sich der Hauptteil der Geschichte ab, und erzählt wird aus der Sicht des kleinen Andras, der mit der jüdischen Mutter, dem Vater und der despotischen katholischen Großmutter Iren in beengten und ärmlichen Verhältnissen lebt. Die geliebten Großeltern mütterlicherseits werden eines Tages verhaftet, überleben die Verfolgung durch die Nationalsozialisten und stehen irgendwann, abgemagert und verändert, vor der Tür, erzählt die Rezensentin. Der Riss, der nun durch die Familie geht, verläuft zwischen der zwischen Judenhass und Angst um die eigene Sicherheit schwebenden Iren und den jüdischen Verwandten. Die ständigen Auseinandersetzungen verstören den Jungen, dem man nichts erklärt, der aber dennoch vieles mitbekommt, erzählt Rakusa. Sie zeigt sich sehr eingenommen von der großen Anschaulichkeit, mit der sowohl der quälende Familienzwist geschildert wird als auch die bedrohlichen politischen Ereignisse, die sich quasi darin spiegeln. Für Rakusa ist dieses "unprätentiöse" und nüchtern erzählende Buch auch deshalb bedeutend, weil es Nyerges Landsleute mit einem Thema konfrontiert, das bis heute in Ungarn gern verdrängt werde. Und mit dem Nachwort warte der Autor noch mit der überraschenden "Pointe" auf, dass, wie sich später herausgestellt hat, die Vorfahren der Mutter zum Judentum konvertierte Adventisten waren, die Familie von Iren dagegen zum Katholizismus übergetretene Juden, was die "Absurdität" der rassistischen Ressentiments Irens eindrücklich demonstriert.
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