Anais Vaugelade

Steinsuppe

(Ab 5 Jahre)
Moritz Verlag, Frankfurt am Main 2000
ISBN 9783895651151
Gebunden, 40 Seiten, 14,32 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Tobias Scheffel. Was für eine Geschichte! Ein Wolf besucht eine Henne, um bei ihr Steinsuppe zu kochen. Die Nachbarn sorgen sich um die Henne und kommen dazu. Der Abend wird gemütlich.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.03.2001

In einer Doppelrezension bespricht Ursula Sinnreich zwei Kinderbücher, die sich mit Essen - oder besser gesagt: Fressen beschäftigen und nicht nur deswegen ihrer Ansicht nach als "Leckerbissen" bezeichnet werden können.
1.) Anais Vaugelade: "Steinsuppe" (Moritz-Verlag)
Das Grundthema, das die Autorin hier ausgewählt hat, findet die Rezensentin für ein Kinderbuch recht ungewöhnlich, aber umso begrüßenswerter: Es geht um Misstrauen, erläutert Sinnreich dem Leser. Denn Misstrauen scheint allen Tieren angemessen, als die Henne auch einen Wolf zum gemeinsamen Abendessen einlädt. Was Sinnreich am besten an diesem Buch gefällt, ist die Mischung zwischen der - oberflächlich betrachtet - Ausgelassenheit und Partystimmung aller Tiere beim Abendessen einerseits und den misstrauischen Blicken, mit denen der Wolf nicht aus den Augen gelassen wird, andererseits. Ausgesprochen wird dieses Misstrauen nicht, so Sinnreich. Vielmehr vermittele sich der eigentliche Inhalt des Buchs "zwischen den Zeilen und ruht im Verborgenen". Wie im wirklichen Leben eben auch, wie sie findet.
2.) Franziska Biermann: "Herr Fuchs mag Bücher!" (Rowohlt Taschenbuch)
Sinnreich erläutert dem Leser zunächst, dass der Titel des Buchs durchaus wörtlich zu nehmen ist. Denn der Fuchs MAG nicht nur Bücher - er FRISST sie, und zwar besonders gerne russische Klassiker, bestreut mit Salz und Pfeffer. Doch Futter dieser Art erweise sich als doch recht kostspielig. Was nun der Fuchs alles anstellt, um an diese ungewöhnlichen Leckerbissen heranzukommen, das sieht Sinnreich hier "mit so viel Einfallsreichtum und Verve erzählt, gezeichnet, collagiert und gemalt", dass man als Leser das Buch auch ohne Salz und Pfeffer geradezu verschlinge. Besonders die Kontraste haben es der Rezensentin angetan, sowohl farblich als auch was die Form betrifft, sowie das "phantasievolle Wechselspiel von Bild und Text". Nach Sinnreich also ein "gefundenes Fressen" für Kinder, die gerade das Lesen für sich entdecken.