Amos Oz, Avraham Shapira

Man schießt und weint

Gespräche mit israelischen Soldaten nach dem Sechstagekrieg
Cover: Man schießt und weint
Westend Verlag, Frankfurt am Main 2017
ISBN 9783864891595
Gebunden, 368 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Nach dem Sechstagekrieg von 1967 initiierte Avraham Shapira zusammen mit Amos Oz das wohl einflussreichste israelische Buch: "Gespräche mit israelischen Soldaten". Es entstand, als "nach dem Sechstagekrieg im Land eine Art Siegesrausch war", so Oz im Vorwort zur Neuauflage. "Kein Mensch in Israel sprach vom menschlichen Leid und erst Recht nicht vom besiegten Feind. Wir hatten das Gefühl, dass man von Mensch zu Mensch gehen und erfahren muss, was die Kämpfer auf dem Schlachtfeld erlebt haben und was sie nach dem Schlachtfeld erlebten." Damals vom israelischen Militär stark zensiert, liefern die inzwischen weitgehend autorisierten Interviews einen beeindruckenden Einblick in die andere Seite auch heutiger Kriege.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 03.06.2017

Peter Rutkowski findet das Buch von Amos Oz und Avraham Shapira über den Sechstagekrieg nach wie vor wichtig, auch wenn der Text bereits 1968 in Israel veröffentlicht wurde. Die Frage der Autoren: Wie war der Krieg? klingt für den Rezensenten auch in der Neuauflage dringend, auch wenn er befürchtet, dass die "wahren Stimmen" Israels weiterhin ungehört bleiben. Die Mängel des Buches in Orthografie und Sachwissen und die stellenweise ungelenke Übersetzung, wiegen für Rutkowski die "raue Kraft" der holprig forschenden Stimmen der jungen Überlebenden und Sieger nicht auf.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 03.06.2017

Rezensent Kevin Zdiara ist dankbar, dass dieser bereits 1967 in Israel veröffentlichte Gesprächsband nun in einer neuen deutschen materialreichen Auflage erschienen ist. Denn die Interviews, die der Schriftsteller Amoz Oz und der Journalist Avraham Shapira damals mit Soldaten führten, die sich nach dem Sechstagekrieg in Kibbuzim zurückgezogen hatten, sind auch heute noch lesenswert, versichert der Kritiker. Auch wenn die intim geführten Gespräche bisweilen ein wenig "suggestiv" wirken, lobt der Rezensent doch die klare Haltung der Fragesteller, die sich sowohl der Vereinnahmung durch die israelische Rechte als auch durch die Linke verweigern: Er liest in diesem "selbstkritischen" Band spannende Diskussionen, die nicht nur Einblicke in den Glauben an die Rechtmäßigkeit des Krieges, aber auch die Zweifel und die Kritik der Soldaten gewähren, sondern in denen neben Themen wie Angst, Töten, Plünderungen oder Flucht auch über Erziehung, Ethik, Judentum, Zionismus, die israelisch-arabische Aussöhnung oder die Schoah gesprochen wird.