Amelie Nothomb

Reality-Show

Roman
Cover: Reality-Show
Diogenes Verlag, Zürich 2007
ISBN 9783257065770
Gebunden, 170 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Brigitte Große. Reality-TV, auf die Spitze getrieben: Ein Sender inszeniert ein Konzentrationslager. Das Publikum darf mitspielen und jeden Tag zwei Gefangene per Fernbedienung zum Tod verurteilen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.07.2007

Rezensentin Sonja Zekri ist gehörig genervt nach der Lektüre dieses vermeintlichen Schockers. Der Roman gehört für sie in die Kategorie von Büchern, bei denen man bereut, sie je gelesen zu haben und so konnte es sie auch nicht trösten, "dass es nur 160 Seiten sind". Kurzum, der Roman ist in Zekris Augen eine ebenso krude wie altbackene Medienschelte und durch und durch "überflüssig". Die Figuren wirken nach Meinung der Rezensentin so, als habe die Autorin Amelie Nothomb, die sich in ihrer belgischen Heimat einen Ruf als "böses, aber erfolgreiches Mädchen" der Literatur gemacht hat, sie "aus einem Blechnapf gehämmert". Ein Komplett-Verriss.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.05.2007

Rezensent Thomas Laux ist in keiner Weise überzeugt von Nothombs Roman "Reality-Show", der die Idee der verschiedenen Big-Brother-Formaten seit den 1990er Jahren auf die Spitze treibt: Die Zuschauer verfolgen live am Bildschirm, wie wahllos Menschen eingefangen, in eine Art KZ gesteckt, misshandelt und nach ihrer Entscheidung getötet werden. Was als Kritik am Zynismus des Massenvoyerismus gedacht ist, hält Laux für selber zynisch, weil die Autorin das grausame Lagersystem letztlich nur als Kulisse benutzt, um eine ganz andere Geschichte zu erzählen, die Geschichte der Beziehung einer der KZ-Wächterinnen zu einer Gefangenen. Laux sieht darin ein "sexuell insinuierte Psychodrama", das die Hegelsche Herr-Knecht-Dialektik durchspielt. Dabei hat die Autorin für seinen Geschmack den Bogen weit überspannt. Besonders die merkwürdigen Showdown-Effekte und die zahlreichen überaus kitschigen Momente sind ihm ein Graus. Um als einigermaßen glaubwürdige Utopie durchgehen zu können, scheint ihm das Werk letztlich "zu verschmockt" und "viel zu dick aufgetragen".