Ama Toshimaro

Warum sind Japaner areligiös?

Cover: Warum sind Japaner areligiös?
Iudicum Verlag, München 2004
ISBN 9783891298992
Kartoniert, 595 Seiten, 29,90 EUR

Klappentext

Aus dem Japanischen von Hans Peter Liederbach. Trotz der langen Tradition von Buddhismus und Shintoismus, trotz der Präsenz religiöser Rituale bei Festen im Jahres- und Lebenslauf geben bei Umfragen nicht wenige Japanerinnen und Japaner an, areligiös zu sein. Gleichzeitig aber hält ein Grossteil von ihnen Religiosität für wichtig. Wie ist das zu erklären? Tatsächlich wird areligiös hier nicht im Sinn einer atheistischen Haltung gebraucht, sondern bezeichnet die Nicht-Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religionsgemeinschaft. In der vorliegenden Studie untersucht Ama die Entstehungsbedingungen dieses Begriffs von Areligiosität zum einen anhand der Einflüsse, die Buddhismus und Konfuzianismus auf das religiöse Bewusstsein genommen haben. Zum anderen beleuchtet er die im Zuge der Modernisierung seit Beginn der Meiji-Zeit geführten Diskussionen um die Rolle von Staat und Religion und zeigt so die his-torischen Hintergründe auf, die zur Skepsis gegenüber Stifterreligionen bzw. religiösen Institutionen in der japanischen Gesellschaft geführt haben.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.08.2004

Rezensent Steffen Gnam hat Toshimaro Amas "Kulturgeschichte des Areligiösen" in Japan mit großem Interesse gelesen. Ausgehend von der japanischen "Religionsskepsis" zeige Ama sehr "anschaulich", wie die Japaner die Religion durch ihren "pragmatischen Umgang" instrumentalisieren. So gebe es zum Beispiel verschiedene religiöse "Zuständigkeitsbereiche": Weil der heimische Shintoismus "am Jenseits wenig interessiert" war, füllte sich diese "Lücke" mit dem Buddhismus auf, der daher nur in der "reduzierten Form eines 'Trauer-Buddhismus'" nach Japan kam. Die Wirkung des ebenfalls importierten Konfuzianismus wiederum beschränkte sich auf die "gesellschaftlichen und geschlechtlichen Beziehungen". Ebenfalls werden auch Prozesse der "Verstaatlichung" und "Verweltlichung" skizziert, unter anderem die Vergottung des Tenno als "Abkömmling der Sonnengöttin". Alles in allem - so lässt sich Gnams urteilssparsamer Rezension entnehmen - erlaubt diese "hintersinnige Studie" wohl einen umfassenden Blick auf den "eklektischen Charakter" japanischer Religiosität.