Seelisches Leiden lässt sich nach Freud nur verstehen, wenn es mit geheimen Absichten des leidenden Subjekts verknüpft wird. Wie aber muss dieses Subjekt begriffen werden, das nicht Herr im eigenen Haus und gleichwohl unhintergehbar ist?
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 19.02.2003
Weder die Psychoanalyse noch das "Subjekt" haben in letzter Zeit etwas zu lachen gehabt, meint Ludger Lütkehaus und wundert sich über den Titel von Alice Holzhey-Kunz' Buch "Das Subjekt in der Kur", das seines Erachtens "Mut zu unzeitgemäßen Betrachtungen" beweist. Holzhey-Kunz, erfahren wir, ist Präsidentin der Schweizer Gesellschaft für Daseinsanalyse. Einerseits begibt sich die Autorin daran, wenn wir Lüdkehaus richtig verstehen, das eigenmächtige selbsttransparente Subjekt zu entmachten; andererseits versucht sie mit theoretischer Schützenhilfe von Sartre, Heidegger und Binswangers Daseinsanalyse bestimmte Persönlichkeitsstörungen als durchaus selbstverantwortet zu erklären, die bislang von der Psychiatrie als passiv erlittene behandelt wurden. Trotz des theoretischen Schwergeschützes, dem auch der Rezensent nicht entsagen mag, äußert er Zweifel an einer Rettungskur für das moderne Subjekt. Dabei beruft er sich auf Freud und kommt zu dem schönen, aber (in der Kürze seiner Rezension) unverständlichen Schluss: "Offenbar ist es konstitutiv für das unhintergehbare Subjekt, zum Renegaten seiner selbst zu werden."
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