Alexander Osang

Königstorkinder

Roman
Cover: Königstorkinder
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2010
ISBN 9783100576132
Gebunden, 320 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Andreas Hermann, Anfang 40, hat die erste Hälfte seines Lebens im Osten Deutschlands verbracht. Nach der Wende beruflich vielfach gescheitert, lebt er in einer winzigen Wohnung in Berlin, Prenzlauer Berg, und arbeitet als Ein-Euro-Jobber an einem Kulturprogramm zum 20. Jahrestag des Mauerfalls. Ausgerechnet mit einer Gruppe arbeitsloser Intellektueller soll er die Ereignisse des Jahres 1989 nachspielen. Andreas Hermanns Beschäftigungsagentur grenzt an eine Siedlung weißer Townhäuser, die am Königstor für wohlhabende Bewohner errichtet wurde. Dort lebt Ulrike Beerenstein, die als Designerin in einem der vielen neuen Ladenbüros der Stadt arbeitet. Jeden Morgen beobachtet sie Andreas Hermann von ihrem Fenster aus. Als ihr Mann zu einer Dienstreise aufbricht, beginnen sie eine Affäre: Andreas Hermann betritt das weiße Townhouse wie eine neue Welt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 15.11.2010

Läuft der Dreh schon für den Film zum Buch? Christoph Schröder scheint das fast zu hoffen: Vielleicht gewinnt der Streifen dem klischeebeladenen Plot des Buches ja noch etwas ab. Warum Alexander Osang diesen Roman hat schreiben müssen, erschließt sich dem Rezensenten jedenfalls bis zum Schluss der Lektüre nicht. Prenzlauer Berg, Townhouses, neue Mauern (statt zwischen Ost und West nun zwischen arm, aber sexy und reich, aber langweilig) - alles schon bekannt. Dass die Hauptfigur, ein nach wie vor an seinem Ossikomplex leidender Vierziger, Menschen nach Automarken charakterisiert, findet Schröder auch nicht mehr wirklich witzig. Müde und verärgert sucht er nach neuer Erkenntnis in diesem Buch - vergebens.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.10.2010

Irgendwie bewegt und auch fasziniert beschreibt Rezensentin Anja Maier den neuen Roman von Alexander Osang. Allein, ein gewisses Unbehagen daran wird sie nicht los. Denn es beschäftigt sie die Frage, warum um Gottes Willen der erfolgreiche Osang nun als Protagonisten einen Verlierer wählt, den er gleichsam zum Zaungast seines eigenen, erfolgreichen Lebens macht. Verarbeitet Osang, in dem er seinem "grandios scheiternden" ostdeutschen Protagonisten Attribute seiner eigenen Biografie mitgibt, hier eigene Ängste oder betrachtet er sich einfach selbst in der gescheiterten Version? Grundsätzlich hat, so Maier, auch dieses Buch, was alle Texte und Bücher dieses Autors haben, "jenes lakonische Pathos" halt, das die Lektüre immer auf süffiger Temperatur hält. Auch die Ost-West-Lovestory mit der daran erzählten (scheiternden) innerdeutschen Entwicklungshilfe gefällt der Kritikerin ganz gut. Doch scheint ihr das transportierte Weltbild des Romans zu missfallen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.10.2010

Die Wirklichkeit ist noch viel schlimmer, weiß Rezensent Tobias Rüther, der die Gentrifizierungsmechanismen im Prenzlauer Berg ganz genau kennt. Schlimmer als die Konstellationen in Alexander Osangs neuem Roman aus dem Herzen des Babyboomkiezes jedenfalls. Dass sich sämtliche Konflikte auf das Schema Ost/West reduzieren lassen, wie Osang das macht, will Rüther nicht wahrhaben. Dass Osangs Figuren ohne diese Opposition ziemlich in der Luft hängen, ahnt Rüther nach der Lektüre allerdings auch.
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