Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 27.10.2001
Eine allgemein verständliche Darstellung der Entstehung des rabbinischen Judentums ist durchaus ein Desiderat, betont der Rezensent Peter Schäfer gleich zu Beginn. Aharon R. E. Agus' Einführung jedoch kann, wie sich zeigt, die Hoffnungen nur bedingt erfüllen. Mit Agus' grundsätzlicher Unterscheidung von "Religion" - als Text, Gesetz, Institution - und "Religiosität" - als "In-der-Welt-Sein" - geht Schäfer noch nicht allzu sehr ins Gericht, wundert sich nur, dass es gar keinen Bezug auf Martin Bubers gleich lautende Dichotomie gibt. Das Panorama, das Agus auf dieser Grundlage entfaltet, findet Schäfer dann in der Tat "eindrucksvoll". Aus der "genauen Lektüre" rabbinischer Texte könne auch der Kenner noch manche Anregung ziehen. Kritisch merkt der Rezensent jedoch an, dass die Auswahl dieser Texte ebenso wie die Zusammenstellung der Kapitel unklar bleibe. Es folgt eine bedenklich stimmende Mängelliste: es gibt Behauptungen, die dem Eingeweihten, so Schäfer, "den Atem verschlagen". Viele Fragen bleiben offen, der Text ist, findet Schäfer, insgesamt "zu monologisch". Dazu kommt "die lieblose und schlampige Betreuung durch den Verlag", der offensichtlich unzählige Fehler unkorrigiert gelassen hat. So fällt das Fazit dann doch negativ aus: "hier ist ein verheißungsvoller Ansatz verschenkt worden".
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