Aus dem Französischen von Christane Seiler. Sonia zieht mit ihrem Mann Julien in eine Wohnung an einem großen Boulevard in Paris. Sie ist schwanger, und nach einigen Wochen wird Moise geboren, drei Jahre später ein zweiter Sohn. Das Leben könnte schön sein ... wenn da nicht ein alter Nachbar wäre, Monsieur Dupotier. Unentwegt klingelt er an der Wohnungstür. Er ist einsam, ihm ist kalt, und er hat Hunger. Eines Tages behauptet er, er sei geschlagen worden. Was soll Sonia tun? Ein Buch über Nächstenliebe und Zivilcourage, Weihnachten und Paris.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.03.2002
Nicht nur gute Vorsätze, sondern einen durchaus gelungenen Roman sieht Mona Clerico in Agnes Desarthes Roman "Die guten Vorsätze". Kurz umreißt die Rezensentin die Handlung, in deren Verlauf die scheinbar stabile Identität der skeptischen Protagonistin immer mehr aus den Fugen gerät. An den sukzessive hilflos werdenden Berichten der Ich-Erzählerin werde die Verstrickung deutlich, der die Figur im Gewirr aus Antisemitismus und Heuchelei letzten Endes erliegen muss. Die klare Zeichnung der Hauptfigur verwische sich zwar im Laufe der Geschichte durch immer schwammigere, "passive Klärungs- und Erklärungsversuchen", so die Rezensentin weiter. Da Desarthe das Phänomen der auftauchenden "Klischeehaftigkeit" jedoch im Roman selbst thematisiere, schaffe sie es über etwaige Stereotype hinaus, "ein altes Muster überzeugend mit neuem Leben zu füllen", lobt Clerico. Auch dass die Autorin weder einem "indifferenten Psychologisieren" noch "einer ironischen Überlegenheitspose" anheim fällt, gefällt der Rezensentin.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 16.03.2002
Schlimmer Verriss! Rezensent Martin Luchsinger vermisst in diesem Roman alles, was die Autorin in ihren früheren Romanen auszeichnete: eine gewisse Leichthändigkeit beim Schreiben, Subtilität und treffsichere Analysen. Der neue Roman hingegen langweilt und verärgert den Rezensenten. Die Ereignisse, die der Hauptfigur bei ihrem Kampf um ein wenig Menschlichkeit in der modernen Welt begegnen, seien banal und vorhersehbar, schimpft Luchsinger. Er kann beim besten Willen nichts Neues, Überraschendes oder Bewegendes in der Geschichte oder ihrer Erzählweise finden. Luchsinger gibt die Hoffnung nicht auf, dass Desarthe in Zukunft wieder zu ihrer früheren Qualität findet, aber sein Urteil über diesen Roman könnte schlimmer kaum sein: "humorlos, uninteressant und belanglos".
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