Klappentext
Manchen seiner Zeitgenossen galt Adolf Loos als der "Mann, der Nein sagt", und kaum einer sagte es mit mehr Entschiedenheit: Nein zum Ornament, Nein zum dekorativen Aufputz, Nein zur Vergeudung, Nein zum Überkommenen und Irrationalen. Mit überwältigendem Furor und unverhohlener Lust zur Provokation propagierte er Klarheit und Einfachheit, den modernen Geist in allen Lebensbereichen, nicht nur in der Architektur. Programmatisch ist der Titel seines berühmten Vortrags "Ornament und Verbrechen", legendär seine Polemik gegen den Unverstand mancher Zeiterscheinungen und den allgegenwärtigen Modeterror. Auch in den hierversammelten philosophisch-literarischen Texten zeigt er sich als eigensinniger Denker und origineller Schriftsteller, mit einer Botschaft, die aktueller nicht sein könnte: Luxus und Sparsamkeit sind keine Gegensätze!
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.02.2026
Rezensentin Johanna Adorjan ist gelinde gesagt fassungslos: Da gibt der kleine inzwischen zum Kampa-Verlag gehörende Salzburger Verlag Jung und Jung ein Buch mit "launigen" Bonmots von Adolf Loos heraus - und erwähnt an keiner Stelle den Prozess wegen sexuellen Missbrauchs, der 1928 gegen den Wiener Architekten geführt wurde. Dabei sind die Gerichtsakten seit 2015 öffentlich online einsehbar, und das, was Loos zu seiner Verteidigung vortrug, ist unerträglich, notiert Adorjan. Von Loos' Vorliebe für Kleinschreibung und Monokel erfährt sie indes, natürlich auch von seiner "wegweisenden" Bedeutung für die Architektur und sogar eine Kurzbiografie ist dem schmalen Band beigegeben - aber auch hier: kein Hinweis. Auf Nachfrage beim Lektorat erfährt die Kritikerin nur, man kenne die Sachlage. Adorjan bleibt dennoch fair: Über Loos' Geschmack liest sie nach wie vor gern, aber mindestens eine Erwähnung der "Sachlage" wäre im Jahr 2026 mehr als angebracht gewesen, findet sie.
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