Adam Thirlwell

Flüchtig

Roman
Cover: Flüchtig
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2010
ISBN 9783100800503
Gebunden, 384 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Henning Ahrens. Haffner ist charmant, eitel und moralisch verwerflich. Er ist ein Freigeist und ein Wüstling. Und er liebt Frauen. In einem behaglichen Alpen-Kurort sitzt Haffner nun, mit 78 Jahren, und denkt über die Verkopplungen des Lebens nach. Und sucht ein Allheilmittel, eine Wiedergutmachung. Und noch mehr Frauen. Nach und nach kommen bei ihm und dem Leser Fragen auf. Hat man seine Vergangenheit eigentlich verdient? Hat man die Familie, die man brauchte? Und die eigene Geschichte? Musste das sein?

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.10.2010

Christopher Schmidt hat der überambitionierte Roman des jungen Briten Adam Thirlwell erschöpft bis verärgert, er fühlt sich gar zum "Garderobenständer eines Autors degradiert, der als literarischer Oberklassensportler seine kunstvollen Spielzüge vorführt". Missmutig gestimmt haben ihn der enorme Aufwand, den Thirwell mit seinem  Protagonisten Haffner betreibt, der auf seine alten Tage in ein heruntergekommenes Hotel in einem postkommunistischen Landes geschickt wird, um dort vorschriftsmäßig, wie es sich für einen ausgekochten und sexbesessenen Kapitalisten gehört, auf der Suche nach einem Abenteuer zu sterben. Wozu die ganze Posse?, fragt sich der Rezensent, den der Versuch einer Überhöhung ins Allgemeingültige unter Zuhilfenahme sämtlicher verfügbarer literarischer Hausgötter nicht eben versöhnlicher stimmt. Die Abschnitte, die Haffner als nicht assimilierten Juden charakterisieren, dem es mit seinem Selbstverständnis als Engländer während des Zweiten Weltkriegs schwer fällt sich zu seinem Volk zu bekennen, zählt Schmidt zu den interessantesten des Buches.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.09.2010

Martin Halter fasst Adam Thirlwell nicht eben mit Samthandschuhen an, wenn er mit seinem jüngsten Roman "Flüchtig" ins Gericht geht. Dessen Geschichte eines alternden Casanova, der in einem Alpenhotel, in dem er zwecks Regelung des Erbes seiner verstorbenen Frau abgestiegen ist und sich auch hier der Angebote verschiedenster Frauen kaum erwehren kann, hat ihn eher auf- als angeregt. Raphael Haffner ist Holocaust-Überlebender, Bankier, hochgebildet und eben ein "alter Playboy" und soll, wie der Rezensent meint, so etwas wie den "Mythos des zwanzigsten Jahrhunderts" verkörpern. Aber davon abgesehen, dass der alternde Casanova literarisch bereits "ausgereizt" ist, wie Halter findet, geht ihm die Bildungshuberei des Autors und Oxford-Absolventen gehörig auf die Nerven. Statt des großen Abgesangs auf das letzte Jahrhundert wirkt der Roman auf ihn zudem eher wie eine "Zirkusrevue", die vor "Plattitüden" und geistreichen Sentenzen nur so strotze. Dazu kommen Redundanzen und prätentiöse Vergleiche und so ergibt das Ganze in den Augen des verärgerten Halter zusammen nicht mehr als ein "Schaumbad epigonaler Selbstgefälligkeit".
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