Adam Thirlwell

Die fernere Zukunft

Roman
Cover: Die fernere Zukunft
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2023
ISBN 9783103975321
Gebunden, 400 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Jan Wilm. Unsere Gegenwart hat mit der Französischen Revolution begonnen. An deren Vorabend werden die Menschen in Paris von der Kurzatmigkeit ihrer Ideen erfasst, schicken sich begeistert Botschaften. Viele Geschichten sind nicht wahr, aber sie sind beliebt. Während Frankreich auf einen Umsturz zusteuert und der Planet um die Sonne kreist, verbündet Celine sich mit der schönen, strengen Marta und der jungen Marie Antoinette auf der Suche nach Freiheit, Gleichheit und Schwesterlichkeit.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 17.01.2024

Sichtlich begeistert ist Rezensent Stefan Michalzik von Adam Thirlwells Zukunftsvision: Zunächst einmal beginnt die Handlung im Frankreich zur Revolutionszeit in einer Parallelwelt, die jedoch deutliche Verwandtschaft zu unserer Wirklichkeit aufweist, wie der Rezensent hervorhebt. Im Mittelpunkt steht Céline, die in einer "abstrakten" Variante der Stadt Paris lebt, so der Kritiker, und, als Organisatorin sogenannter "Partys" zu Reichtum und Macht kommen will. Der Kritiker erkennt hier die französischen Salons de l'Époque, aber in dieser Welt, in der sich alles um gute Beziehungen und Korruption dreht, gibt es auch viele Elemente, die an die Gegenwart gemahnen. Michalzik schätzt die weibliche, feministische Perspektive, die hier eingenommen wird: Celine lässt sich von Männern nichts sagen und will selbstbestimmt Leben - in dieser Gesellschaft ist das aber kaum möglich. Auf einmal wird die Protagonistin weit in die Zukunft katapultiert und tritt eine Reise auf den Mond an - auch diesen Umschwung ins Fantastische, der zudem mit einer überraschenden Wendung aufwartet, goutiert der Kritiker.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.11.2023

Adam Thirlwell ist für Rezensent Felix Stephan einer der besten Autoren derzeit, das stellt auch sein neuer Roman unter Beweis, der sich einer Frau in den Wirren der Französischen Revolution widmet. Geschichte und Geschlecht werden hier auf spannende Weise miteinander verwoben, befindet er, die Protagonistin Celine muss erkennen, dass auch die Revolution ihr nicht ermöglichen wird, als Frau einen Platz in der Welt zu finden, zu der sie in einem Verhältnis von "permanenter Gefechtsbereitschaft" steht. Das zeigen auch die Salons, die sie organisiert, um sich die Macht der Sprache zu eigen zu machen - doch auch die bleibt letztlich bei den Männern. Stephan sieht auch deutliche Bezugspunkte zu Koselleck und dessen These von der Gleichzeitigkeit der Dinge, die es ermöglicht, den Roman nicht nur vor der Folie der Französischen Revolution zu lesen, sondern auch im Lichte späterer Entwicklungen, wie der überzeugte Rezensent festhält.

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