Der große Menschenaffe verteidigt das ihm Liebste gegen eine Welt von Teufeln. Wer und was aber ist dieses offenbar undomestizierbare Tier? Liegt es vielleicht in uns selbst? Öffnet sich hier ein Boden, auf dem wir uns zu selbstsicher bewegen? Für Alexander Kluge stellt sich damit erneut die Frage nach erschließbaren Räumen in uns Menschen und in unserer Millionen Jahre alten Vergangenheit. Diesen Raum durchmisst er in dreizehn Stationen unter wechselnden Perspektiven, doch immer in konkreten Geschichten. So geht es um 'Reparaturerfahrung' als essenzielle Lebenspraxis ebenso wie um die genealogische Erinnerung an Vater und Mutter. Zu einer Chronik des Zusammenhangs gehören aber nicht nur Personen, sondern auch Dinge mitsamt der in ihnen aufbewahrten menschlichen Arbeit. Sind solche Dinge nicht selbst oft 'verzauberte Menschen' und bergen Romane? Schließlich die Kunst als 'große Oper' im Leben und auf der Bühne. Sie bietet die direkteste Darstellung von Leidenschaft mit ihren elementaren Wurzeln in der Realität: im Terror, im Glück und in stillgestellten Bürgerkriegen des Gefühls aus ältester Zeit.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 30.12.2015
Alex Rühle hätte sich gewünscht, dass ein strenger Lektor dem dauernden Abzweigen und Abschweifen Alexander Kluges ein wenige Einhalt geboten hätte. So hätte Rühle die Lektüre noch mehr genossen. Oft, wenn Kluges "Textgebirge" aus 500 Fragmenten, aus Historischem, Dokumentarischem, Essayistischem und Autobiografischem, allzu unkontrolliert wuchert, der Autor alles mit Macht durcheinanderwirbelt und weiter, immer weiter gräbt, statt innezuhalten und einem einmal aufgenommenen Faden länger zu folgen, wird der Rezensent müde. Auf die vielen überraschenden Perspektivwechsel, die die Fragilität der Gegenwart bewusst machen, und auf Kluges Intelligenz, Weltzugewandtheit, Moralempfinden und Neugier, die sich allesamt auch hier zeigen, möchte Rühle allerdings nie und nimmer verzichten.
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