Bücherschau der Woche
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All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Ewige Werte
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- Und eine Antwort auf Mathias Döpfner
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- Die Galle der Gallier
- Post aus der Walachei
Heute in den Feuilletons
Sie wollen Sex, und sie sind wütend
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
21.01.2009. "So, pick yourself up, dust yourself off, start all over again": Barack Obama ist nun endlich Präsident und kann anfangen zu arbeiten. In den hiesigen Kinos läuft Bryan Singers Stauffenberg-Film "Operation Walküre" an: Die Welt hält ihn zeitgeschichtlich für ein Fiasko, die FAZ für den spannendsten Thriller der letzten Zeit. Für die taz ist Ilija Trojanow nach Darfur gereist und hat festgestellt: Es ist ja gar kein Völkermord, es ist nur Überlebenskampf.
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Weitere Medien, 21.01.2009
Die Chicago Tribune bringt, wie viele andere amerikanische Zeitungen, das Transkript von Obamas Rede zur Amtseinführung: "We must pick ourselves up, dust ourselves off, and begin again the work of remaking America." Bei der New York Times finden sich auch ein Video der Rede und hochaktuelle Fotos mit dem Ballkleid von Michelle. Der Tagesspiegel hat den größten Teil der Rede bereits ins Deutsche übersetzt. Und hier ein Auszug aus Elizabeth Alexanders Inaugural Poem: "Say it plain, that many have died for this day. Sing the names of the dead who brought us here, who laid the train tracks, raised the bridges, picked the cotton and the lettuce, built brick by brick the glittering edifices they would then keep clean and work inside of." Die LA Times fand's nicht so gut: "too prosaic for the occasion".
Und jetzt alle: "Pick yourself up, dust yourself off, start all over again ..."
Via Arts & Letters Daily. Eric Calderwood, ein amerikanischer Student, der in Syrien lebt, hat im Boston Globe einen sehr lesenswerten Artikel über Al Dschasiras Berichterstattung über den Krieg in Gaza geschrieben. Objektivität und Ausgewogenheit ist nicht die Sache von Al Dschasira, schreibt er. "Es ist nicht schwer zu verstehen, warum Al Dschasira angeklagt wird, die regionalen Feindschaften und Krisen vorsätzlich anzuheizen. Aber in einem weiteren Sinne ist Al Dschasiras grafische Antwort auf den 'unblutigen Kriegsjournalismus' im CNN-Stil ein scharfer Tadel für die Art und Weise, wie wir in den Vereinigten Staaten den Krieg sehen und darüber reden. Sie legt nahe, dass die unblutige Kriegsberichterstattung das Privileg eines Landes ist, dass vom Konflikt weit entfernt ist. Al Dschasiras Markenzeichen für Berichterstattung - man kann es 'blutigen Journalismus' nennen, - zeigt den Krieg als das, was er ist: ein brutaler Verlust menschlichen Lebens. Die Bilder, die sie zeigen, bringen den Zuschauer auf eine Art in körperlichen Kontakt mit der Gewalt des Krieges, wie Statistiken es nie könnten. Ein Amerikaner versteht angesichts der Berichterstattung Al Dschasiras über Gaza, dass er nicht nur vom Krieg entfremdet ist, sondern auch von der Darstellung des Krieges als eine reale Sache."
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Die Welt, 21.01.2009
"Zeitgeschichtlich betrachtet ist Bryan Singers 'Operation Walküre' ein Fiasko", schreibt Sven Felix Kellerhoff. Der Film enthalte so viele Fehler, dass Kellerhoff sich fragt, warum der Historiker Peter Hoffmann den Film in der FAZ als "sehr weitgehend historisch" korrekt loben konnte, "wo doch seine eigenen Forschungen das Gegenteil beweisen? Angeblich hat Hoffmann die Drehbuchautoren 'ohne Honorar informell' beraten. Das wäre freilich extrem untypisch, denn Beraterhonorare sind in den Budgets zeithistorischer Spielfilme fest eingeplant. Außerdem hatte Peter Hoffmann den Film 'Stauffenberg' von Jo Baier (2004) anfangs ebenfalls fachlich beraten - gegen Geld. Doch dann zerstritten sich der Historiker und die Produktionsfirma 'wegen neuerlicher Honorarforderungen' Hoffmanns. Über die Höhe ist nichts Sicheres bekannt; gerüchteweise kursiert die Zahl 50.000 Euro. Nach diesem Streit verriss Hoffmann Baiers Film in einer Zeitung und warf dem Regisseur 'gravierende Lücken' und 'wissentliche Unterschlagungen' vor."
Eckhard Fuhr kann schon mit dem echten Stauffenberg wenig anfangen: "Die Deutschen sollten ihren Stauffenberg in Ehren halten, sich aber ansonsten unter denen nach Helden umschauen, die nicht erst tätig werden, wenn es zu spät ist. Es gab zum Bespiel Männer und Frauen in Deutschland, die nicht erst Nein zum Vernichtungskrieg, sondern schon zum Ermächtigungsgesetz gesagt haben. Wer kennt noch ihre Namen?"
Weitere Artikel: In der Leitglosse mokiert sich Hendrik Werner über "notleidende Banken". Unter der Überschrift "Sie wollen Sex, und sie sind wütend" lüftet Thomas Lindemann das Geheimnis der neuen Erotik-Welle in der weiblichen Literatur. Jenni Roth porträtiert die 18-jährige Berlinerin Rebecca Martin, die mit "Frühling und so" einen Bestseller geschrieben hat: "Das klingt dann so: 'Ich fick dich nicht ohne Gummi' ... 'Fick mich, fick mich, fick mich... Blas mir einen oder in den Arsch'. 'Ich wurde noch nie in den Arsch gefickt', antworte ich. 'Warst du heute schon richtig kacken?' 'Was?'" Alexander Gauland erzählt die Geschichte der amerikanisch-britischen Beziehung. Die New York Times ist - zumindest vorübergehend - von dem mexikanischen Multimilliardär Carlos Slim gerettet worden, berichtet Hannes Stein.
Besprochen wird Christian Stückls Inszenierung von Pfitzners "Palestrina" in München
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Neue Zürcher Zeitung, 21.01.2009
Claudia Schwartz stellt fest, dass es Bryan Singers Thriller über Stauffenberg nicht um die historischen Umstände des deutschen Widerstands geht: "Weshalb muss Stauffenberg Hitler hier eine abgeänderte Version des 'Walküre'-Plans zur Unterschrift vorlegen, ohne dass dieser merkt, dass es sich um die Anweisung zu seinem eigenen Sturz handelt? Diese erfundene Szene schrumpft das Außerordentliche des deutschen Widerstandes, in dem Menschen ihr Leben opferten, zusammen auf den Unterhaltungswert des Thrills. Dagegen wird Generaloberst Beck ein schneller Suizid gegönnt, obwohl er in Wirklichkeit danebenschoss und elendiglich verblutete."
Weiteres: Marc Zitzmann referiert französische Diskussionen über den Gaza-Krieg. Besprochen werden eine Aufführung von Hans Pfitzners "Palestrina" in der Münchner Staatsoper, Peter Blickles Geschichte "Das Alte Europa", die Studienausgabe der "Theologischen Realenzyklopädie" und schließlich Artur Beckers Roman "Wodka und Messer"
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Frankfurter Rundschau, 21.01.2009
Die Autorin Mely Kiyak erinnert an den türkisch-armenischen Journalisten Hrant Dink, der vor zwei Jahre ermordet wurde: "Hrant Dink wollte Empathie für das, was den Armeniern zustieß, und eine gemeinsame Erinnerungskultur. Seine Gegner sprachen von Separatismus und beschimpften die Armenier als Kollaborateure, die sich mit den Russen zusammentaten, um die armenisch besiedelten Gebiete zu erobern."
Weiteres: Peter Michalzik sinniert über die Frage, ob Apple wirklich nur ein börsennotiertes Unternehmen ist oder doch eine religiöse Gemeinschaft und ob sie nicht durch den iPod unzulässig profaniert und verwässert wurde. Steven Geyer begrüßt den Start der zwölften Staffel von "South Park", die unter anderem auch die ganze Wahrheit über Barack Obama bereit hält. In Times mager stellt sich Judith von Sternburg hinter die vom Katholizismus abgewehrte Atheisten-Kampagne auf Genueser Stadtbussen: "Die schlechte Nachricht ist, dass es Gott nicht gibt. Die gute Nachricht ist, dass du ihn nicht brauchst."
Besprochen werden eine Ausstellung zu H.R. Giger im Deutschen Filmmuseum Frankfurt, Philipp Stölzls Inszenierung von Wagners "Fliegendem Holländer" in Basel und Stefan Puchers kühle Aufführung von Shakespeares "Maß für Maß" in den Münchner Kammerspielen
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Die Tageszeitung, 21.01.2009
Georg Seeßlen hat anlässlich der "Operation Walküre" einen Brief an Siegfried Kracauer geschrieben. "Manchmal, verehrter Siegfried Kracauer, gehen Sie mir ganz schön auf die Nerven mit ihrem Satz, der Filmkritiker von Rang sei nur als Gesellschaftskritiker denkbar. (...) Von Singers Film nehmen wir frohen Herzens an, er tue ohnehin niemandem wirklich weh, von ein paar rechten Zauseln und ein paar linken Metakritikern abgesehen. Fatalerweise infiziert er aber die Debatte in Deutschland gerade durch seine Äußerlichkeit und seine Vermeidungsstrategien. Weil der Hollywood-Film den Mythos ohne sein Subjekt behandelt hat, scheint er hierzulande wiederum befreit von der Kritik am Subjekt der Tat und natürlich mehr noch von der Kritik an dem, was alles nicht stattgefunden hat. Der Film nämlich wird in der deutschen Rezeptionssphäre genau dazu verwendet, was man ihm in der Produktionsphase vorauseilend unterstellte: zur Überführung des nationalen Mythos in Popkultur."
Weiteres: Jörg Sundermeier berichtet über eine Diskussionsveranstaltung in der Böll-Stiftung zum Religionsunterricht in Schulen. Besprochen wird Daniel Kehlmanns Roman "Ruhm".
Auf der Meinungsseite mokiert sich Ilija Trojanow über Stars wie Jolie, Clooney und "Geldoof" und Politiker, die Darfur retten wollen. Er zitiert einen "kettenrauchenden, dunkelhäutigen Mann", der ihm im Sudan folgendes erklärte: "Darfur ist die bevorzugte Bühne für sentimentale Auftritte der Gewissensberuhigung. Die USA haben raffiniert erkannt, dass sie aus dem Genozid in Ruanda außenpolitischen Profit schlagen können. Nie wieder - diesem Aufruf kann sich doch niemand widersetzen. Die Opfer des Völkermords werden verhöhnt, indem ihr Sterben nun instrumentalisiert wird."
Und Tom.
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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.01.2009
Michael Althen kann nicht recht verstehen, warum einige so viel Aufhebens ums Bryan Singers Stauffenberg "Operation Walküre" gemacht haben ("Der Bambi für Cruise - ein Geschrei, als habe er das Bundesverdienstkreuz bekommen") - für ihn ist es ein Film "wie andere auch", dabei einer der "spannendsten Thriller der letzten Zeit".
Beste Voraussetzungen für den Erfolg eines "Green New Deal" sieht Joachim Müller-Jung in seinem Kommentar zu Obamas Amtsantritt: "Der desaströse Sturm, der sich in der Bush-Ära in den Laboren und Hallen der wissenschaftlich-technischen Eliten Amerikas zusammenbraute, hat sich von heute auf morgen verzogen. Tatendrang allenthalben."
Weitere Artikel: Mark Siemons erklärt, wie die Kommunistische Partei Chinas ihre zusehends anachronistische Existenz als Notwendigkeiten umsetztende "Avantgarde" inmitten der Kontingenzen einer Marktwirtschaft theoretisch herzuleiten versucht. In der Glosse begeistert sich Dirk Schümer für das "unscheinbare Lexikon 'Mijn Duitsland'" des belgischen Autors Geert van Istendael. Konstanze Crüwell weiß, dass der "Block Beuys" im Hessischen Landesmuseum in Darmstadt nun mit weißen Wänden umgeben - und der Streit um die Präsentation auf diese Weise beigelegt - wird. Reinhard Pabst sucht und findet Spuren des damaligen Paris in den Gedichten von Rainer Maria Rilke. Als typischen Jean-Nouvel-Bau, im Guten wie im Bösen, beschreibt Dieter Bartetzko das von Nouvel entworfene neue Konzerthaus in Kopenhagen. Albert Uderzo hat die Rechte an einer möglichen "Asterix"-Fortsetzung nach seinem Tode verkauft und seine Tochter ist empört - Andreas Platthaus kennt die Fakten. Richard Kämmerlings schildert kurz den sich in Deutschland formierenden Widerstand gegen Googles Buch-Digitalisierung. Oliver Tolmein bringt uns auf den neuesten Stand in Sachen Patientenverfügung.
Auf der DVD-Seite werden passend zum gestrigen Tag Oliver Stones Film "W.", die Weißes-Haus-Serie "West Wing" und die Action-Serie "24" mit Dennis Haysbert als schwarzem Präsidenten, dazu, zu einem anderen Anlass passend, Franz Peter Wirths Fernsehfilm "Operation Walküre" von 1971 empfohlen.
Besprochen werden eine von Christian Stückl inszenierte Aufführung von Hans Pfitzners "Palestrina"-Oper und Bücher, darunter der bibliophile Band "Atlas van de nieuwe Nederlandse vleermuizen" mit Textminiaturen von Max Goldt (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
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Süddeutsche Zeitung, 21.01.2009
Der Politologe Claus Leggewie erinnert im Aufmacher an das Epochenjahr 1979, als der Afghanistankieg, die Islamische Revolution im Iran und Margaret Thatcher das geopolitische Koordinatensystem veränderten. Wolfgang Görl berichtet, dass der bayerische Ministerpräsident jetzt dem Bau eines neuen Konzertsaals in München zugestimmt hat. Holger Liebs meldet, dass sich der irische Künstler Liam Gillick in seinem Beitrag für den deutschen Pavillon der Kunstbiennale Venedig mit längst begrabenen Umbauplänen für eben diesen Pavillon auseinandersetzen wird. Roman Deininger zitiert Forschungsergebnisse des Musikologen William Meredith, der die Notenabbildungen in den "Peanuts" untersucht und festgestellt hat, dass sie alle bewusst und mit Hintersinn ausgewählt sind (mehr dazu im Schulz-Museum). Gerhard Matzig flaniert über die Kölner Möbelmesse. Johannes Willms berichtet über Reformen an der Ecole nationale d'administration (ENA), an der bis heute französische Kader geschmiedet werden. Wolfgang Schreiber erklärt, wie es bei der Deutschen Oper Berlin zu einem neuem, diesmal aber wirklich nicht selbst verschuldeten Defizit kam.
Ilja Braun resümiert einen komplizierten Streit zwischen Autoren und Verlegern um ihren Anteil an den Ausschüttungen der VG Wort - jetzt will der Urheberrechtler Martin Vogel gegen die VG Wort klagen. Eine ausführliche Dokumentation der Debatte mit Stellungnahmen vieler Beteiligter findet sich bei Irights.
Besprochen werden Clint Eastwoods neuer Film "Der fremde Sohn", Pfitzners "Palestrina" in München und Bücher, darunter Stewart O'Nans neuer Roman "Alle, alle lieben dich".
Archiv: Heute in den Feuilletons
Für Ohrfeigen geboren
11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen
Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase
10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen
Wegfall von Arbeit
09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen
Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren
08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
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Archiv: Heute in den Feuilletons
Der Graf von Sandwich war in Gefahr
07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen
2000PutIN, 2012PutOUT
06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen
Die ganze Welt inventarisieren
04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen
Hunde und Katzen, Liebe und Tod
03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen
Einschlusslöcher am Gebäudesockel
02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen
So sehr ich Warhol schätze
01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen
Also, Bürger, auf zur Wacht!
31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen
Weil es dem Franz so gefallen hat
30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen
Das korrekte Verfahren für Anarchisten
28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen
Und die Emotionen suchen blind
27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen. Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen
Ein irrer Cut
26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen





