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- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Peter Nadas: Parallelgeschichten

Klaus-Michael Bogdal: Europa erfindet die Zigeuner

Ewige Werte
- Post aus der Antarktis
- Fallende Blätter: die Lage des Feuilletons heute
- Domenico Scarlatti
- Olaf Sundermeyer und der Perlentaucher: Richtigstellungen
- Die Perlentaucher-Affäre und das System Schirrmacher
- Der sogenannte neue Übersetzerstreit
- Die Zeitungen und die Freien
- Neu und Nach: ein Übersetzerstreit
- Anna Politkowskaja
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- Andre Müller interviewt Arno Breker
- Canfora, Stalin, Le Goff
- 100 wichtige Intellektuelle aus der Provinz
- Adam Michnik
- Seyran Ates: Antwort auf Jutta Limbach
- An die französischen Neinsager
- Der 8. Mai war keine Befreiung
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- Let's Talk European!
- Der biedere Untergang
- Marie-Luise Scherer
- Das Ende der Berliner Seiten
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- Litchfield, Rechnitz, Thyssen-Bornemisza
- Das Kempowski-Dossier
- Nichts ohne Netz: Zeitungen online
- Grass und die SS: ein Linkdossier
- Die Öffentlich-Rechtlichen und das Netz
- Rupert Murdoch hat so Recht
- Und eine Antwort auf Mathias Döpfner
- Google Fraktur
- Die Galle der Gallier
- Post aus der Walachei
Heute in den Feuilletons
Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
06.05.2006. "Freud ist tot. Es lebt", verkündet die taz und auch alle anderen Zeitungen begehen ausgiebig seinen 150. Geburtstag. Die FAZ kolportiert, dass sich ein Mordkommando nach Dänemark aufgemacht hat, um die Mohammed-Karikaturisten zu töten. SZ und NZZ befassen sich mit den neuesten Debatten um Peter Handke und seinen Serbien-Feldzug. Der NZZ graut es außerdem vor der Kulturpolitik der Hamas, die zuallererst den Bauchtanz verbieten will. In der FR tritt Klaus Staeck den Kampf gegen die geistige und ästhetische Verrohung des Landes an.
Frankfurter Rundschau | Die Tageszeitung | Neue Zürcher Zeitung | Süddeutsche Zeitung | Berliner Zeitung | Die Welt | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Frankfurter Rundschau, 06.05.2006
Im Interview äußert sich Klaus Staeck, der neue Präsident der Akademie der Künste, zu Zielen und Wünschen im neuen Amt: "Wir werden keine ästhetischen Leitlinien für die Gesellschaft erarbeiten können. Aber wir werden auf ästhetische Dimensionen hinweisen. Eine Gesellschaft, die nicht mehr begreift, dass man um das großartige Mahnmal von Micha Ullmann auf dem Bebelplatz in Berlin, diese unterirdische Bibliothek, keine Buddy-Bären herum aufstellen kann, wird sich unsere Stimme gefallen lassen müssen. Im Übrigen geht es ja nicht nur um ästhetische Fragen. Es geht auch um Verrohung. Und die geistige Verrohung ist mitunter viel schwerer auszuhalten als die alltägliche, der wir in der einen oder anderenn Schule oder an einer Tankstelle in Brandenburg begegnen."
Marcia Pally schreibt die Erkenntnisse nieder, die sie auf dem New Yorker PEN-Festival "World Voices" gewonnen hat, auf dem auch unsere englischsprachige Schwesterseite signandsight kulturbildend vertreten war. "Auf den deutschen Partys gibt es besseren Wein als auf den ungarischen, aber bei den Ungarn sind Musik und Tanz besser. Die Unterweisung durch die angesehenen Schriftsteller - Hans Magnus Enzensberger, Salman Rushdie, Felicitas Hoppe, Huang Xiang, David Grossman, Amartya Sen, Necla Kelek neben Hunderten mehr - lehrte mich Folgendes: Dass erstens Podiumsdiskussionen über Revolution geistreich, bewegend, erbittert oder bürokratisch sein können, niemals aber praktisch. Nach Hunderten von Diskussionen weiß ich noch immer nicht, wie man eine am besten anzettelt."
Weitere Artikel: In ihrer "Plat du Jour"-Kolumne kommentiert Martina Meister die französische Clearstream-Affäre als "Geschichte von seltsamen Vögeln". Petra Kohse stellt das Dolmusch-Projekt des Berliner HAU-Theaters vor, bei dem Leute für wenig Geld durch Kreuzberg chauffiert werden.
Besprochen werden eine Ausstellung von Marjetica Potrc und Tomas Saraceno in der Frankfurter Kunsthalle, Scott Walkers neues Album "Drift", ein "prima" Konzert mit Blumfeld und eine Ausstellung über die Geschichte der Fußballreportage in Frankfurt.
Frankfurter Rundschau | Die Tageszeitung | Neue Zürcher Zeitung | Süddeutsche Zeitung | Berliner Zeitung | Die Welt | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Die Tageszeitung, 06.05.2006
Cord Riechelmann rückt mit Hilfe von schön langen Michel-Foucault-Zitaten ein paar "Mythen in den Bevölkerungsdebatten" zurecht und fordert eine "Entsakralisierung" des Raumes": "Entsakralisierung des Raumes heißt auch, ihn ohne seine darwinistischen Knappheitsschlacken zu denken, die allesamt den 'staatlichen Rationalismen' (Jacques Derrida) des 19. Jahrhunderts entstammen - Rationalismen, die ihre Operationen auf den Staat beziehen; und den Staat kann man nur in Abgrenzung zu einem anderen Staat denken. Den Rationalismus des planetarischen Raumes gibt es (noch) nicht. Möglicherweise wird man auf ihn warten müssen, bevor man Demografen wirklich glauben kann."
Weitere Artikel: Harald Fricke war dabei, als sich die All-Girl-Band The Slits nach 25 Jahren zur Reunion in Berlin traf. Robert Misik findet: "Es gibt eher zu viele Werte." Rolf Lautenschläger hat aus einer Ausstellung zur Geschichte des Berliner Olympiastadions und Reichssportfeldes wenig gelernt.
Besprochen werden die neue Platte "Drift" des enigmatischen Scott Walker und Benoit Delpines und Gustave Keverns Film "Aaltra".
Im Interview mit der taz zwei spricht der Schauspiel-Shooting-Star der Saison, Katharina Schüttler unter anderem darüber, wie es ist, der Schauspiel-Shooting-Star der Saison zu sein: "Es ist schade. Oft passieren einem so tolle Dinge, und in dem Moment hat man gar nicht das Bewusstsein dafür. Und im Nachhinein denkt man sich: Wie blöd war ich eigentlich, dass ich das nicht viel mehr genossen habe?"
Natalie Tenberg stellt die "Achse des Unkaufbaren" (Lidl, Schlecker ...) vor und heißt die Fluggesellschaft Air Berlin nun endgültig auf der Liste der boykottierenswerten Unternehmen willkommen. Kirsten Reinhardt droht: "Der Clog kommt wieder."
"Freud ist tot. Es lebt" verkündet die Titelseite des taz mag. Also alles Freud heute. In die Berggasse 19 in Wien ist Jan Feddersen gepilgert: "Heute befindet sich im Haus von Sigmund Freud ein Museum: ein Besuch enttäuscht immer ein wenig, denn erstens ist Freud nicht mehr da, zweitens aber fehlt es an der Couch, auf der die Patienten zu liegen kamen - aber die findet sich in London, dem Exil der Familie Sigmund Freuds." Markus Völker hat in Zürich Paul Parin besucht, den Mitbegründer der Ethnopsychoanalyse. Reinhard Krause schreibt über die Psychoanalyse im Film.
Auch bei den Rezensionen geht es ziemlich psychoanalytisch zu: Besprochen werden in einer Sammelrezension Bücher und ein Aufsatz zur Wissenschaftsgeschichte der Psychoanalyse, dazu Eli Zaretzkys Bilanz "Freuds Jahrhundert", Iris Hanikas und Edith Seiferts Psychoanalyse-Hommage "Die Wette auf das Unbewusste". Dann aber noch literaturkritischer Normalbetrieb mit einer Rezension zu einem neuen Roman "Letzte Geschichten" (hier eine Leseprobe) und neuen Erzählungen der Polin Olga Tokarczuk und der dritten Lieferung zu "Büchern über Fußball" (mehr in der Bücherschau ab 14 Uhr).
Und Tom.
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Neue Zürcher Zeitung, 06.05.2006
"Angesichts des realen Horrors, um den es in dieser Auseinandersetzung letztlich geht, gibt es auch für Übertreibungskunst Geschmacksgrenzen" befindet Andreas Breitenstein zur neuen Kontroverse über Peter Handkes Serbien-Verklärung, die Absetzung seines Stückes "Das Spiel vom Fragen" und die Zensur-Vorwürfe. Elfriede Jelinek hatte gar von einem Verbrechen gesprochen. Allerdings meint Breitenstein auch: "Man wird den Eindruck nicht los, dass Handke mit seinem Serbien-Feldzug am Ende kein politisches, sondern ein privatmythologisch literarisches Projekt verfolgt. Das Heil, das der Dichter enthüllend zu verhüllen versteht, glaubt der Intellektuelle in Serbien gefunden zu haben. Die Folgen sind prekär, denn wer seine Poetik politisch instrumentalisiert, läuft Gefahr, sie ästhetisch zu beschädigen."
Der neue palästinensische Kulturminister Atallah Abu as-Sabah von der Hamas scheint die düstersten Erwartungen zu erfüllen, wie Fakhri Saleh informiert. Bisher "konzentrieren sich as-Sabahs Anstrengungen auf ein Verbot des Bauchtanzes, auf die Segregation von Frauen und Männern in Kulturstätten und öffentlichen Lokalen und darauf, dem seiner Ansicht nach 'grassierenden Hang zur Entblößung' einen Riegel zu schieben."
Weiteres: Samuel Herzog schreibt einen Nachruf auf den niederländischen Maler Karel Appel. Besprochen wird die große Retrospektive zu Caspar David Friedrich im Folkwang Museum in Essen.
Die Beilage Literatur und Kunst ist ganz Sigmund Freud gewidmet, der heute vor hundertfünfzig Jahren geboren wurde. Reimut Reiche erkundet den gegenwärtigen Stand der Psychoanalyse. Stefana Sabin widmet sich Freuds Verdienste um die Literatur. Ludger Lütkehaus preist Freuds Witz in Theorie und Praxis und gibt eine Kostprobe von Freuds Humor: "'Mir geht', schreibt er in seinem Brief vom 13. August 1937 an Marie Bonaparte, 'ein advertisement im Kopf herum, das ich für das kühnste und gelungenste Stück amerikanischer Reklame halte: Why live, if you can be buried for ten dollars?'"
Frankfurter Rundschau | Die Tageszeitung | Neue Zürcher Zeitung | Süddeutsche Zeitung | Berliner Zeitung | Die Welt | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Süddeutsche Zeitung, 06.05.2006
Die Comedie Francaise hat Peter Handkes Stück "Das Spiel vom Fragen" vom Spielplan genommen, der Milosevic-freundlichen Aussagen des Dichters wegen. In Le Monde hat sich Handke verteidigt, Johannes Willms übersetzt und referiert: "Seine Anwesenheit bei der Beerdigung von Milosevic rechtfertigte Handke mit den Worten, die er bei dieser Gelegenheit wirklich gesagt haben will: 'Die Welt, die vermeintliche Welt, weiß alles über Slobodan Milosevic. Die vermeintliche Welt kennt die Wahrheit. Eben deshalb ist die vermeintliche Welt heute nicht anwesend, und nicht nur heute und hier. Ich kenne die Wahrheit auch nicht. Aber ich schaue. Ich begreife. Ich empfinde. Ich erinnere mich. Ich frage. Eben deshalb bin ich heute hier zugegen." Na, dann ist ja alles gut.
Weitere Artikel: Im Interview sprechen die Pet Shop Boys über ihr neues Album "Fundamental": "Es mag sein, dass die politische Dimension in 'Fundamental' klarer ist als bei früheren Alben." Jörg Häntzschel hat sich auf den "beglückenden" Fußweg durch das neue, vom UN-Studio entworfene Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart (Website) gemacht. Sonja Zekri klärt über die moralischen Probleme mit dem derzeit viel diskutierten Judas-Evangelium auf - es sind allerdings solche archäologischer Beschaffungskriminalität. Den Nachruf auf den niederländischen Maler Karel Appel hat Gottfried Knapp verfasst.
Zwei ganze Seiten sind zu seinem 150. Geburtstag Sigmund Freud gewidmet. Burkhard Müller beschreibt die "hydraulische Welt" der Psychoanalyse. Was von der Psychoanalyse bleiben wird, vermutet der Kulturwissenschaftler Thomas Macho, ist die "Kunst des richtigen Zuhörens". Thomas Steinfeld stellt Freud neben einen anderen Hörer des Neuropathologen Jean-Marie Charcot: Guy de Maupassant. Zum Thema "Freud und die Industrie" schreibt Lothar Müller. Volker Breidecker hat die Ausstellung "Die Couch. Vom Denken und Liegen" im Freud Museum Wien besucht. Auf der Wissen-Seite spricht der Medizinnobelpreisträger Ernst Kandel über die (fehlenden) naturwissenschaftlichen Fundamente der Psychoanalyse. Eine Rezension gibt es zum vollständigen Katalog von Freuds Bibliothek (dazu dann mehr in der Bücherschau ab 14 Uhr).
Besprochen werden die Londoner Uraufführung von Simon Stephens' Irak-Drama "Motortown", Romuald Karmakars Film "Hamburger Lektionen", der beim Münchner Dokumentarfilmfestival zu sehen ist, der kanadische Film "Sabah", der Auslands-Oscar-Gewinner "Tsotsi" und eine Ausstellung des nunmehrigen Präsidenten der Akademie der Künste Klaus Staeck in Chemnitz.
Im Aufmacher der SZ am Wochenende beklagt Heribert Prantl das Versagen der Politik angesichts zunehmender Ausländerfeindlichkeit: "So ist der Kampf gegen den Rechtsextremismus in Deutschland eine politische Saisonarbeit. Diese Saison dauert jeweils nicht lange. Sie beginnt damit, dass ein Ausländer ganz oder halb erschlagen wird, oder auch damit, dass eine braune Partei bei Wahlen Erfolg hat und in ein Parlament einzieht. Dann weint und warnt die deutsche Politik, streut sich Asche aufs Haupt, beklagt ihre Defizite, mahnt zur Wachsamkeit und beschwört sich und die Wähler, aufzupassen... Aber dann ist wieder Alltag."
Weitere Artikel: Tanja Schwarzenbach berichtet von einer "Gated Community" besonderer Art: In der geschlossenen Gesellschaft von Wilton Manors in Florida sollen nur Schwule leben. Birgit Ackermann porträtiert das auch in München ansässige japanische Kaufhaus Muji. Von Deutschen, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein neues Leben im Kaukasus begannen, erzählt Manfred Hummel. In der Reihe "Es war einmal" erinnert Willi Winkler an habsburgische Thronfolgeprobleme, an denen die Familie Fugger gut verdiente. Jochen Jung besichtigt die Schweiz, die ihm wie "etwas Tirol mit einem ordentlichen Schuss Preußen" vorkommt. Der Fotograf Larry Sultan spricht im Interview über seine jungsten Zyklus "The Valley" über die Porno-Industrie des San Fernando ValleyEs gibt hier zwei Arten von Pornografie: die des Sex und die des Designs. Ich möchte beide verschmelzen."
Frankfurter Rundschau | Die Tageszeitung | Neue Zürcher Zeitung | Süddeutsche Zeitung | Berliner Zeitung | Die Welt | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Berliner Zeitung, 06.05.2006
Ebenfalls zu Freuds Geburtstag würdigt Harald Jähner dessen Verdienst, "das Triebleben im Zusammenspiel mit seiner Verdrängung als Quell unserer schönsten Zivilisationsleistungen zu erkennen". Nur was ist draus geworden? "Die sexuellen Praktiken, die zu Freuds Zeiten auch einem Fachpublikum nur auf Lateinisch zugemutet werden konnten, werden heute im Fernsehen als Hintergrundgeplauder während des Nachmittagskaffees erörtert... Entspannt und ziemlich gelangweilt gehen wir mit der entgrenzten Sexualität um. Aus der anmutig steifen Sprache Freuds ist das Geplapper von Angelika Kallwass geworden, die bei Sat1 den Psychotalk moderiert. Für die blasierte Langeweile im Umgang mit der nimmermüden Libido steht stellvertretend für viele Sexualmelancholiker der Autor Michel Houellebecq ('Elementarteilchen'), der traurige Stilist einer entskandalisierten Swingersexualität."
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Die Welt, 06.05.2006
Bettina Röhls Auseinandersetzung mit ihren Eltern Ulrike Meinhof und Klaus Rainer Röhl empfiehlt Reinhard Mohr in der Literarischen Welt als Standardwerk der bundesrepublikanischen Geschichtsschreibung. "Wer überhaupt Interesse an jüngster deutscher Zeitgeschichte hat, wird dieses Buch wie einen großen Familiengesellschaftsroman lesen, in dessen Zentrum nicht nur das Ehepaar Röhl/Meinhof und die abenteuerliche 'Konkret'-Story stehen, sondern auch die linksintellektuelle Szene der jungen Bundesrepublik und stalinistische FDJler, die 'Atomtod'-Bewegung und Mao Tse-tung, Kuba und die Toskana, Fidel Castro und Heinrich Lübke, der Ungarn-Aufstand und Mallorca, Sex und Revolution. Eine Achterbahnfahrt durch die fünfziger und sechziger Jahre, ein weiterer Beitrag zur Selbsthistorisierung der Bundesrepublik, der an die jüngsten Werke der Zeithistoriker Gerd Koenen und Wolfgang Kraushaar anknüpft. Ganz nebenbei ist es auch ein sachdienlicher Beitrag zur Irrtumsgeschichte der deutschen Linken."
Da sich keine schlagenden Gründe für den Mangel an weltbekannten deutschen Krimiautoren finden lassen, genießt Uwe Wittstock das Programm der 20. Criminale in Koblenz. "'Mord an Bord' lautet der Titel einer Lesung, wenn sie auf einem Rheinschiff stattfindet, 'Sport ist Mord' heißt sie im Fitness-Studio, 'Mörder in Weiß' im Krankenhaus, 'Tödliche Torten' im Cafe, 'Richter und Henker' im Gerichtssaal, 'Blutgrätsche' in der Sportschule, 'Der Tod steht ihr gut' im Modehaus und was dergleichen neckische Kombinationen mehr sind."
Abgedruckt wird außerdem ein Kapitel aus Manuel Brugs Buch über "Opernregisseure heute", in dem er die Wechselwirkung von Theater und Oper betrachtet. Peter Dittmar hat für das Feuilleton aus der Düsseldorfer Ausstellung zur spektakulären Museumsarchitektur der Gegenwart eine beruhigende Erkenntnis mitgenommen. "Ob Mario Botta, Tadao Ando, Jun Aoki oder Jean Nouvel - sie alle variieren die schöne eindrucksvolle Nutzlosigkeit der Rotunde in Schinkels Altem Museum in Berlin." Die neue Obergrenze für das New Yorker Denkmal zum 11. September 2001 liegt jetzt bei 500 Millionen Dollar, meldet Rainer Haubrich. Gerhard Charles Rump schreibt zum Tod des niederländischen Malers Karel Appel.
Besprochen werden eine Ausstellung über den 1956 enttarnten Spionagetunnel der CIA nach Ostberlin im Westberliner Alliertenmuseum, Nacho Duatos und Tomaz Pandurs von Wim Wenders "Engel über Berlin" inspirierte Choreografie "Alas" in Wolfsburg, Rene Polleschs Konsumstück "Wann kann ich endlich in einen Supermarkt gehn und kaufen was ich brauche allein mit meinem guten Aussehen?" im Schauspiel Stuttgart ("Noch hat er eine Fangemeinde, die ihm gern alles abkauft", schimpft Stefan Kister.).
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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.05.2006
Heutzutage fühlen sich die Menschen in der Kultur eher wohl, schreibt Henning Ritter lakonisch im Aufmacher, der sich zum 150. Geburtstag von Sigmund Freud mit dessen Schrift über "Das Unbehagen in der Kultur" befasst: "Das Unbehagen, das Freud registrierte, bezog sich nicht auf einzelne kulturelle Züge, auf dieses oder jenes Element einer Kultur, sondern auf die Kulturanstrengung insgesamt, auf ihren Sinn und das Risiko ihres Misslingens. Seine Kulturerwartungen waren ganz und gar traditionelle: Das 'Unbehagen in der Kultur' ist vielleicht der letzte Traktat über das Glück. Nicht der Lustgewinn aus dem Höheren und Feineren, sondern das schiere Ertragenkönnen des Alltags ist sein Thema. Glücksverheißungen verbieten sich; wer immer sie verkündet, wäre in Freuds Augen ein Betrüger: 'Das Leben, wie es uns auferlegt ist, ist zu schwer für uns, es bringt uns zuviel Schmerzen, Enttäuschungen, unlösbare Aufgaben.'"
Auf der Medienseite berichtet Michael Hanfeld, dass sich nach Informationen des amerikanischen Journalisten Joseph Fahar ein zwölfköpfiges Mordkommando nach Dänemark aufgemacht haben soll, um die Mohammed-Karikaturisten zu töten: "Nachzulesen ist Farahs Information auf seiner Website G2 Bulletin. Demnach befinden sich die zwölf jungen Männer, ausgestattet mit iranischen und afghanischen Pässen, schon auf dem Weg nach Europa. Farah, dessen Website von Geheimdiensten als seriös bewertet wird, beruft sich auf einen pakistanischen Kollegen, der die Information von Taliban-Rebellen im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet erhalten haben will."
Weiteres: Dirk Schümer staunt über den Chic, den Papst Benedikt XVI. nicht nur mit seiner Hermelinkappe, sondern auch mit Adidas-Jacken und Baseballcaps unter Beweis stellt. "till" hat einen Flug von den Kanaren nach Frankfurt mit zwei Pilotinnen und einer Schar aufgeregter Schwaben überstanden. Patrick Bahners war bei einem Vortrag des amerikanischen Historikers Charles Maier über Imperien und die "Macht der Mächtigen". Gina Thomas berichtet von Daniel Barenboims Reith Lecture für die BBC. Jürgen Dollase umreißt in ersten Grundzügen eine Theorie des Kochens. Jürg Altwegg liest aktuelle französische Zeitschriften, darunter das offenbar recht interessante neue Magazin "Philosophie". Timo John beobachtet, dass jetzt auch in Stuttgart Baustellenbesichtigungen in Mode kommen. Michael Lentz gratuliert dem Dichter Franz Mon zum Achtzigsten. Swantje Karich schreibt zum Tod des Malers Karel Appel.
Auf den Seiten der früheren Tiefdruckbeilage rühmt Ingeborg Harms die Kunst des Literaturwissenschaftlers Peter von Matt, durch unmoralische Angebote zu verführen und floretthaft zuzustechen. Zu lesen ist auch ein Text von Bertelsmann-Gründer Reinhard Mohn zu Leistung und Führung.
Besprochen werden das Konzert der Sportfreunde Stiller in der Berliner Volksbühne, Ernst-Toch-Interpretationen des Ensembles Spectrum concerts in der Berliner Philharmonie, Boris Eifmans "Tschaikowsky"-Choreografie mit Vladimir Malakhov, auf der Plattenseite das Album "what the toll tells" der "unrettbar verlorenen" Two Gallants, das Tango-Album "Lunatico" des Gotan Projects, Aufnahmen von Nicolas Gomberts Motetten sowie vierhändige Schubert-Stücke von Evgenyi Kissin und James Levine. Und Bücher, darunter Helmut Lethens Gottfried-Benn-Buch "Der Sound der Väter", Magriet de Moors Roman "Sturmflut" und Joachim Lottmanns "Zombie Nation" (mehr in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
Und in der Frankfurter Anthologie stellt Eckart Kleßmann Ludwig Greves Gedicht "Nach dem Regen" vor:
"Die Bäume, glückliche Traufen,
verharren im Dunkel, nass
glänzen die schuppigen Leiber und ihre
Kronen verlängern den Rausch
um Blätter, Blätter und Schatten..."
Archiv: Heute in den Feuilletons
Für Ohrfeigen geboren
11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen
Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase
10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen
Wegfall von Arbeit
09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen
Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren
08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
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Archiv: Heute in den Feuilletons
Der Graf von Sandwich war in Gefahr
07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen
2000PutIN, 2012PutOUT
06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen
Die ganze Welt inventarisieren
04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen
Hunde und Katzen, Liebe und Tod
03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen
Einschlusslöcher am Gebäudesockel
02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen
So sehr ich Warhol schätze
01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen
Also, Bürger, auf zur Wacht!
31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen
Weil es dem Franz so gefallen hat
30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen
Das korrekte Verfahren für Anarchisten
28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen
Und die Emotionen suchen blind
27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen. Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen
Ein irrer Cut
26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen





