Ein Aquarium voller Schlüssel ist eine vielschichtige Sammlung von Kurzgeschichten und Momentaufnahmen aus Charkiw, der Heimatstadt von Yuriy Gurzhy. Der Musiker, Komponist, DJ und Autor verwebt darin persönliche Erinnerungen mit der Gegenwart eines vom russischen Angriffskrieg gezeichneten Landes. Gurzhys Texte begleiten Fotografien seines Vaters, die ihn seit seiner Kindheit prägen. Einige dieser Aufnahmen - darunter Schwarz-Weiß-Filme aus den späten 1960er-Jahren - wurden erst 2024 wiederentdeckt. Sie zeigen vertraute Menschen und Orte, dokumentieren den Wandel Charkiws über die Zeit und erzählen leise Geschichten von Kontinuität und Verlust.In der Verbindung von Bild und Text entsteht ein eindringliches Porträt der Stadt, das Vergangenheit und Gegenwart miteinander verknüpft - poetisch, politisch und zutiefst persönlich.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.11.2025
Yuriy Gurzhy legt hier laut Rezensent Tobias Lehmkuhl ein starkes Buch vor, das eigene Texte mit Fotografien seines Vaters Alexander Gurzhy verknüpft. Der Kritiker bewundert die Bilder, die mit Vorliebe stille, bewegungsarme Motive, teils regelrechte Stillleben in den Blick nehmen: Charkiw erscheint so als eine Stadt abseits des großen Trubels, in der sich einsame Menschen auf großen Straßen verlaufen. Alexander Gurzhy war Hobby-Fotograf, sein Sohn stellt nun neben die Bilder Texte, in denen er sich an seine eigene Kindheit in Charkiw erinnert, sowie Berichte von Reisen in das Charkiw in Zeiten des russischen Angriffskriegs. Nicht die Wut, sondern die Liebe zu Charkiw treibt diese Texte an, erkennt der Kritiker. Das alles fügt sich zu einem erstaunlich lichten Buch, mit dem der Rezensent viel anfangen kann.
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