Klappentext

Die Macht der Schönheit ist die Macht eines ihrer Wahrnehmung eingeschriebenen Versprechens. Menninghaus' Studie untersucht elementare Bestimmungen dieses Versprechens und Eckdaten seiner Geschichte bis hin zum heutigen Kult von styling und shaping. Stendhal hat das Versprechen der Schönheit bündig das "Versprechen des Glücks" genannt. Ein Versprechen ist aber nicht zugleich die Einlösung dessen, was es verspricht. Daher ist nicht nur nach der Verheißung der Schönheit, sondern auch nach den Kosten, Kehrseiten und dem möglichen Scheitern der mit Schönheit assoziierten Versprechen zu fragen: Warum etwa müssen die Protagonisten antiker Schönheitsmythen meist eines frühen Todes sterben? Ist die Schönheit ein evolutionsbiologischer Vorteil?

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.11.2003

Muss ausgerechnet ein Literaturwissenschaftler wie Winfried Menninghaus von der FU Berlin die darwinistische Evolutionstheorie bemühen, um ein Buch über das Naturschöne zu schreiben, meldet Ludger Heidbrink eingangs Zweifel an. Spricht das nicht für biologistische Verkürzungen und Vereinnahmungen, fragt er weiter. Bei einem wie Menninghaus nicht, gibt Heidbrink Entwarnung. Man müsse Menninghaus' Parallelisierung von evolutionärer und philosophischer Ästhetik nicht in allen Punkten zustimmen, erläutert der Rezensent, doch eröffne sie interessante Einsichten in den Schönheitswahn von heute. Eine seiner Einsichten lautet, führt Heidbrink als konkreten Erkenntnisgewinn an, dass ein Zuviel an physischer Attraktivität der beruflichen Karriere eher im Wege stünde und damit, führt er weiter aus, auch die These vom "survival of the prettiest" nicht ohne weiteres haltbar sei. Schönheit beziehungsweise Schönsein sei ebenso evolutionäres Überlebensprogramm wie auch eine autonome Kulturschöpfung und -leistung, heißt das Fazit Menninghaus'. Um bis zu diesem vorzudringen, müsse der Leser allerdings einen etwas mühseligen Stil und allerlei Assoziationsketten in Kauf nehmen, warnt Heidbrink.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.10.2003

Den roten Faden dieses Buches sieht Sascha Michel im "Bewusstsein vom Doppelgesicht des Schönen", dass in ihm nämlich ein "Glücksversprechen" stecke ebenso wie (so Rilke) "des Schrecklichen Anfang". So stößt Winfried Menninghaus in allen Quellen auf "die Schattenseiten der Schönheit", ob im Adonismythos oder der Gestalt des Narziss: das Begehren bleibt unerfüllt, schreibt Michel. Aber Menninghaus interessiert sich neben der Dechiffrierung dieser im kulturellen Gedächtnis abgelagerten Texte, die immer auch Leid und Schmerz verarbeitet haben, mehr noch für die "Wissenschaften und Theorien" vom Schönen, so unser Rezensent. Dabei lässt der Autor die Arbeit am Mythos, die er in vielen Disziplinen (wie Evolutionstheorie, philosophische Ästhetik, Psychoanalyse u.v.m.) räubernd betreibt, immer wieder "in unaufdringliche Entmythologisierung umkippen", findet der Rezensent. Das "Feuerwerk wildester Hypothesen und Wissenschaftsmythen", das Menninghaus abbrennt, die "Kanonade von Hypothesen und empirischen Beobachtungen" zur Sache der Schönheit und ihrer Theoretisierung, mündet "gut idealistisch", so Michel, "in unmittelbarer Zeitkritik". Aber das hat den Rezensenten nicht gestört, im Gegenteil: er findet, "dass man davon einfach nicht genug bekommen kann".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.10.2003

Was sind die Bedingungen der Schönheitsempfindung? Dient die Schönheit des andersgeschlechtlichen Menschen einem Zweck, einem evolutionären etwa, oder ist sie diesem - siehe Adonis - geradezu abträglich? Winfried Menninghaus, schreibt Brigitte Hilmer, habe sich dem Phänomen der Schönheit mit der Absicht einer anthropologisch fundierten Erklärung genähert und dabei "spannende hypothetische Konstruktionen und argumentative Verwicklungen zutage gefördert" und "eine glänzende Apologie der Darwin'schen 'Ästhetik' verfasst". "Ästhetik" deshalb, weil Darwin den Geschmack von den Überlebenserfordernissen abtrennte, was die gegenwärtige Evolutionstheorie wieder zurücknahm. Von diesem Punkt aus entfalte Menninghaus seine Untersuchung, bis er, so Hilmer, "in der Analyse des heutigen Schönheitsdiskurses" auf seine Grenzen stoße - die Grenzen des Philologen, der der Allgegenwart normativer Bilder analytisch nicht gewachsen ist. Außerdem gerate er bei dem Versuch, Kant als Zeugen für seine evolutionstheoretische Perspektive heranzuziehen, ins philosophische Schlingern. Alles in allem: eine "furiose und vergnüglich zu lesende Untersuchung" mit Schwächen und Lücken.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2003

"Erheblichen Charme" bescheinigt Gustav Falke der "gelehrten Ironie", mit der Winfried Menninghaus in diesem Buch "den verschlungenen Wegen der neueren Evolutionstheorie folgt". Menninghaus geht dabei, wie man erfährt, von Darwins Überzeugung aus, dass dem Geschmack beziehungsweise dem Schönheitssinn eine überragende Rolle bei der Evolution und ihren Selektionen zukommt. Schließlich wählten die weiblichen Tiere ihre Geschlechtspartner, wie Falke erläutert, "nach ästhetischen Gesichtspunkten". Daraus gewinnt Menninghaus, wie Falke berichtet, Pointen wie die, dass "der Mensch des kallozentristischen Konsumkapitalismus" in Schönheitsfarmen und Fitnesscentern heute "selber die evolutionäre Arbeit am Körper" zu verrichten begonnen habe. Der Rezensent fragt sich allerdings, was "damit erklärt ist". Wie man erfährt, geht es Menninghaus nämlich eigentlich darum, Freuds Theorie, wonach die Lust am Schönen sublimierte Lust ist, zu ergänzen - denn Freud könne, wie Falke den Autor paraphrasiert, "die bestimmte Ausrichtung des Schönheitsempfindens" nicht erklären. Doch bei Menninghaus, so wendet der Rezensent ein, entstehe nun auch nur ein "Schein von Erklärung". Er erkläre mit Darwin zwar, "warum das Schöne entsteht, nicht jedoch, was es ist." Das als schön Empfundene wird gewählt, so erkläre der Autor. Nur: "Warum es gewählt wird, bleibt" auch bei ihm "ein Geheimnis."
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.10.2003

Köstlich amüsiert hat sich Rezensent Jens Bisky mit Winfried Menninghaus' Studie zur Schönheit. Denn nur ein "Tollkühner" könne auf die Idee kommen, "Thesen der Evolutionsbiologie und der Psychoanalyse, Motive der philosophischen Ästhetik und Mythendeutung in einer Studie zusammenzufassen". Unbeeindruckt von der hohen Holzweg-Gefahr, gelinge es dem Literaturwissenschaftler Menninghaus jedoch aufs Beste, das anfängliche "Misstrauen" des Lesers zu "überwinden" und mit "Genauigkeit und Scharfsinn" ein erhellendes Zusammenspiel von "Natur- und Kulturgeschichte der Schönheit" zu schaffen. Letzteres könne zustande kommen, weil der Autor jedes Phänomen und jede Theorie "für sich" behandelt und sich daraus "verblüffende Parallelen" ergeben, lobt Bisky. Vom blendend schönen und leeren Adonis ausgehend, so unser Rezensent, verläuft diese "atemberaubend witzige" Studie über Darwin zu Kant und den Schönheitschirurgen. Der Leser erfahre, dass die Verteilung von Schönheit Machtstrukturen beleuchtet, etwa dass im Tierreich die Schönheit den Männchen obliegt, weil dort "Damenwahl" herrscht, dass beim Menschen wohl doch von "tendenziell beidseitiger Wahl" auszugehen ist, und dass die Pfauendame sich "korrekt nach Kant" verhält, wenn sie den Pfauenmann mit dem schönsten Rad erhört.
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