Aus dem Amerikanischen von Stefanie Kremer. Mit einem Nachwort von Antje Ravic Strubel. Das Schicksal Myra Driscolls und die Geschichte ihrer Liebe ist für die 15-jährige Nellie das einzig spannende Thema. Vor Jahren hat Myra auf ein sicheres Leben in der Provinz verzichtet, um ihrer großen Liebe nach New York zu folgen. Als Nellie Myra kennenlernt, trifft sie eine lebhafte, kultivierte, liebenswürdige Frau. Mit ihrem Mann Oswald lebt sie die romantische Idee der großen Liebe, von der auch Nellie träumt. Doch dann wird das junge Mädchen Zeugin einer Eifersuchtsszene, und alles Sanfte, Gute und Liebevolle scheint zu zerbrechen. Erst Jahre später, als Nellie das Paar unter schwierigen Umständen wiedertrifft, begreift sie die zwei Seiten dieser Liebe. Beim Erscheinen 1926 erregte "Mein ärgster Feind" wegen seines schonungslosen Blicks auf Liebe und Ehe großes Aufsehen.
Noch nicht einmal hundert Seiten lang ist diese Novelle und doch hinterlässt sie einen "verstörenden Eindruck", schreibt Rezensentin Katharina Granzin mit einiger Atemlosigkeit. Sie empfiehlt, vor Lektürebeginn einen warmen Pullover überzuziehen. Denn die amerikanische Schriftstellerin Willa Cather zeichne hier mit "sanfter, unerbittlicher Präzision" ein "eisiges Bild der Zerstörung", der Zerstörung der Illusion von der großen Liebe nämlich. In dieser Geschichte aus dem Jahr 1926 über eine Frau, die ihr Leben sinnlos einer großen Liebe opfert, ist es Cather aus Sicht der Rezensentin gelungen, eine Verzweiflung einzufangen, die so existenziell ist, dass sie die Rezensentin auch heute noch frösteln lässt. Auch das Nachwort der Schriftstellerin Antje Ravic Strubel wird als lesenswert hervorgehoben.
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