Werner Rösener (Hg.)

Staat und Krieg

Vom Mittelalter bis zur Moderne
Cover: Staat und Krieg
Vandenhoeck und Ruprecht Verlag, Göttingen 2000
ISBN 9783525013861
Kartoniert, 244 Seiten, 25,56 EUR

Klappentext

Krieg und Gewalt prägten seit dem Mittelalter in elementarer Weise die Politik, Gesellschaft und Kultur Europas. Kriege - etwa der Dreißigjährige Krieg oder der Zweite Weltkrieg - haben sich tief in das historische Gedächtnis vieler Generationen eingegraben. Der preußische General Carl von Clausewitz hat als erster den instrumentellen Charakter des Krieges erkannt. Er ging jedoch von den Vorstellungen des frühen 19. Jahrhunderts aus, vom Krieg zwischen Staaten, vom staatlichen Gewaltmonopol und von bindenden Verträgen. Ein Krieg ohne Anfang und Ende, ohne anerkannte Handlungsrichtlinien galt als ausgeschlossen. Die Realität allerdings entsprach schon im 19. Jahrhundert nicht diesem Idealbild, auf andere Epochen lässt es sich erst recht nicht übertragen. Das Verhältnis von Staat und Krieg sah im Mittelalter, in der Frühen Neuzeit und in den letzten zweihundert Jahren jeweils anders aus. Der Band gibt Einblicke in diese spezifischen Verhältnisse, bietet aber auch einen Überblick über den Wandel in diesem Bereich vom Mittelalter bis in unsere Gegenwart.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.01.2001

Katharina Rutschky bespricht gleich drei jüngst erschienene Bücher zum Thema Krieg und Frieden:
1) Werner Rösener (Hrsg.): "Staat und Krieg"
Frieden ist eine moderne Erfindung. Das ist erst Mal eine starke These, der aber in dem von Werner Rösener herausgegebenen Sammelband fundiert und anregend nachgegangen werde, meint die Rezensentin Katharina Rutschky. Besonders gut - wegen ihrer unmittelbaren, aktuellen Bezüge - haben ihr die Beiträge von Ernst-Dieter Hehl und Ute Planert gefallen. Aktuell seien sie deswegen, weil Hehl die Militanz der christlichen Kirche im 11. und 12. Jahrhundert der des Islam in der heutigen Zeit gegenüberstelle, und Planert anschaulich zeige, dass auch schon während der Befreiungs- und Revolutionskriege im 18. Jahrhundert in Süddeutschland großer Wert darauf gelegt wurde, das Grauen des Krieges vor der Bevölkerung zu verschweigen.
2) Ekkehart Krippendorff: "Kritik der Außenpolitik"
Die Ausführungen des Friedensforschers Ekkehart Krippendorff über außenpolitische Strategien und Handlungen haben Katharina Rutschky deutlich verärgert. Hier schreibe jemand, der - selbst niemals der Verantwortung ausgesetzt, politisch handeln zu müssen - vom hohen Ross herab weltverbessernde Predigten halte. Krippendorff macht es sich einfach, wenn er alles, was seinem humanitären Ansichten entgegenläuft, als "pervers", "pathologisch" oder "irrational" abstraft, schimpft die Rezensentin. Damit erreiche er gerade mal noch eine Restlinke, die sich nicht aufklären lassen, sondern in ihrer Rechthaberei gemütlich einrichten wolle.
3) Mary Kaldor: "Neue und alte Kriege"
Katharina Rutschky bewertet den Band von Mary Kaldor vollkommen positiv. Die Autorin schreibe vor einem praktischen Hintergrund, denn sie engagiere sich als Vorstandsmitglied in einer Bürgervereinigung für eine basisorientierte Umsetzung der Charta von Helsinki, erzählt die Rezensentin. Kaldors "gewitzte" und "gelehrte" Ausführungen zeugten nicht nur von einer fundierten theoretischen Kenntnis, sondern auch von einem moralischen Engagement, mit dem sie Wissenschaft, Moral und praktische Erfahrung unter einen Hut zu bringen suche. "Neue und alte Kriege" sei wegweisend und politisch vielversprechend. Die Rezensentin ist überzeugt, dass der Leser nach der Lektüre von Kaldors Buch die Entstehung von Kriegen und Konflikten und auch verschiedene Interventionsmöglichkeiten klarer und besser beurteilen kann.