Klappentext
Aus dem Französischen von Hanne Reinhardt. Die Polizei kontaktiert Agnès: Ihre Tante, Colette Septembre, sei soeben verstorben. Doch Colette ist bereits seit drei Jahren tot. Agnès hält es für ein Missverständnis. Sie kehrt in das kleine Städtchen im Burgund zurück, das sie vor langer Zeit hinter sich gelassen hat, um die ominöse Tote zu identifizieren - eine Frau, die ihr einen Koffer voller Audiokassetten hinterlassen hat. Wer ist sie? Und wer wurde drei Jahr zuvor beerdigt? Die unscheinbare Tante entpuppt sich als zentrale Figur in einem Geflecht aus Geheimnissen und Sehnsüchten.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.06.2026
Rezensent Niklas Bender findet den Hype um Valérie Perrin etwas übertrieben: Ein "Gespür für Plots" gesteht er ihr zu, aber an Tiefe hapert es ein bisschen, findet er, und auch ihr neues Buch hat für ihn Licht und Schatten. Es erzählt von der Regisseurin Agnès, die in das burgundische Dorf reist, in dem sie aufgewachsen ist. Sie hat die Nachricht vom Tod ihrer Tante Colette bekommen - die allerdings schon seit zwei Jahren Tod ist. Agnès will also herausfinden, was passiert ist, wie wir lesen: Nun entfaltet die Autorin eine komplexe Handlung, die zwischen Erinnerungen an die Jugend Colettes in den fünfziger und sechziger Jahren und Agnès Leben springt, und zwischen den beiden immer wieder Parallelen zieht. So entsteht in vielen Verästelungen ein interessantes Familienporträt und das "Gruppenfoto einer Provinzstadt" mit vielen liebenswerten Figuren. Das ist "abwechslungsreich und ohne falsche Sentimentalität" erzählt, einen Krimi-Plot gibt es auch noch obendrauf, allerdings fühlt sich der Kritiker auch ein wenig an die etwas zu heile Welt aus "Die fabelhafte Welt der Amélie" erinnert. Was am Anfang funktioniert, fällt auf die Dauer leider dem Wohlfühl-Effekt zum Opfer, der wohl erzielt werden sollte. Unterhaltsame Strandlektüre ist das aber allemal, so Bender.
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