Valeria Luiselli

Die Geschichte meiner Zähne

Cover: Die Geschichte meiner Zähne
Verlag Antje Kunstmann, München 2016
ISBN 9783956140921
Gebunden, 192 Seiten, 18,95 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Dagmar Ploetz. Gustavo Sánchez hat eine Mission: Jeder seiner hässlichen Zähne muss ersetzt werden. Glücklicherweise ist er Auktionator - der weltbeste Auktionator -, was ihm dabei hilft, Geld für die neuen Zähne zu sammeln. Dabei entdeckt er, dass es entscheidend ist, die Objekte, die er anbietet, mit Geschichten auszustatten. Das steigert ihren Wert immens. Auch wenn er noch ein paar andere Fähigkeiten besitzt, die ihm Geld verschaffen: Nach zwei Gläsern Rum kann er Janis Joplin imitieren, Glückskekse deuten und wie Christopher Kolumbus ein Hühnerei auf den Tisch stellen und beim Schwimmen den Toten Mann machen. Das Geschichtenerzählen aber entwickelt er zur Meisterschaft. Und die Sammlung seiner Zähne berühmter Menschen kann sich sehen lassen: von Plato zu Plutarch, Michel de Montaigne, Virginia Woolf und Enrique Vila-Matas. Sanchez aber will die von Marilyn Monroe …

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.08.2016

"Naseweis" nennt Judith von Sternburg Valeria Luisellis Geschichte von Gustavo Sánchez Sánchez, der, um sich seine eigenen Zähnen richten lassen zu können, die Gebisse großer Dichter und Denker versteigert. Aber Sternburg scheint das nicht negativ zu meinen, an anderer Stelle attestiert sie dem Anspielungsreichtum der Geschichte sogar eine "skrupellose Reichweite": Luiselli lässt in ihrem gewitzten Spiel um Geschäft, Geist und Kultur Mexiko zum Nabel der intellektuellen Geschichte werden, alle Figuren tragen die Namen berühmter Persönlichkeiten (Hegel, Sartre, Primo Levi), Fiktion und Ideengeschichte werden wie von kubanischen Tabakdreherinnen in eine einzige Erzählung gewickelt. Sternburg gefällt die Keckheit der Autorin. Kluge Ideen können doch auch einfal mal "aus reinem Jux" geboren werden, meint Sternburg und erkennt in Luiselli die Tochter von Fischli und Weiß.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.07.2016

Es ist ja durchaus ein komplexes Unterfangen, das die Autorin da betreibt. Aber Rezensentin Meike Fessmann ist eher abgetörnt. Einerseits arbeitet Luiselli im Auftrag einer reichen mexikanischen Galerie mit Interviewmaterial - sie lässt Arbeiter der Saftfabrik, die der Galerie erst diesen Reichtum bescherte, ihre Leben auf Band sprechen und benutzt dieses Material für das vorliegende Buch (dabei beruft sie sich bewusst auf den Begriff des Recycling!) Dann tut sie offenbar noch Eigenes hinzu und remixt das ganze zu einem Roman voller magischem Realismus und literarischen Anspielungen, der die Rezensentin am Ende nicht nur kalt lässt, sondern geradezu abstößt: Allzu abgegriffen, zu durchschaubar und zu marktgängig erscheinen ihr diese postmodernen Basteltechniken, denen die Rezensentin hier unterstellt, allein dem Kunstmarkt zu dienen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.07.2016

Rezensent Christian Metz kann nur staunen, wie Valeria Luiselli in ihrem Roman Ökonomie und Spieltrieb vereint und daraus eine wunderbar exzentrische Dentologie formt, eine Zahngeschichte voller Kuriositäten, wie sie der Rezensent noch nicht gelesen hat, getarnt als Autobiografie eines gewissen Gustavo, Auktionator, und verschönt mit den Zähnen der Monroe, exzentrisch eben. Und drastisch zärtlich, wie Metz feststellt, der dem Text zwar etwas mehr Härte im Ton attestiert als Luisellis früheren Romanen, doch ebenso viel sprachliche Eleganz, Präzision und erzählerische Fantasie. Die Hauptfigur scheint ihm wie eine Art Felix Krull aus existenzieller Notwendigkeit.
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