Undine Gruenter

Der verschlossene Garten

Roman
Cover: Der verschlossene Garten
Carl Hanser Verlag, München 2004
ISBN 9783446204560
Gebunden, 224 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Als Symbol für die träumerische Liebe zwischen einem Mann von sechzig Jahren und einer jungen Frau: solange ihre Liebe dauert, ist dieser Garten Paradies und Zeichen ihrer Zuneigung. Doch als ein junger Mann in ihr Leben eintritt, zerstört er die Einsamkeit des Gartens und somit die Liebe der beiden. Ein bezaubernder und zeitloser Roman über Liebe, Trennung, Verlassensein und dem Glück, das in der Erinnerung fortbesteht.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 03.06.2004

Einen wohltuenden Abstand zum "habgierig-ordinären" Erdenleben hat Rezensentin Verena Auffermann durch die Lektüre des Romans von Undine Gruenter gewonnen. Die Autorin hat ein Buch über die Liebe geschrieben, die nichts mit "amour fou", nichts mit Taumel zu tun hat, sondern die Sentimentalitäten "mit rationalen" Argumenten beiseite räumt, um dem wesentlichen Gefühl Platz zu machen. Mit der Geschichte des alt gewordenen Soudain, der in einem Garten sein Leben und die Liebe zu Equilibre niederschreibt, "denunziert sie die Liebe nicht", doch sie misstraut dem Pathos. Bewunderung zollt die Rezensentin Undine Gruenter dafür, dass sie sich "so gut in den Vorstellungen" ihres Erzählers auskennt. Ein "geistreiches Terzett", das nicht die Entzauberung zum Ziel hat, hat die Autorin geschrieben, dessen Veröffentlichung sie nicht mehr erlebt hat. Ein lesenswertes Buch und eine "unzeitgemäße, kluge Hinterlassenschaft".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.04.2004

Was Undine Gruenter aus dem klassischen Motiv des Gartens der Liebenden - dem "hortus conclusus" - macht, ist für die Rezensentin Andrea Köhler weitaus mehr als nur eine "Variation" auf Stendhals "De l'amour". Gruenters Protagonist Soudain ("plötzlich") errichte diesen Garten, um seiner Liebe zu einer jüngeren Frau namens Equilibre ("Gleichgewicht") zu frönen und "mit seinem Liebesentwurf dem Augenblick Dauer zu verleihen". Das dieses Vorhaben zum Scheitern verurteilt ist, liest die Rezensentin schon an Soudains Namen ab, doch letztendlich gehe es in diesem Roman eher darum, die Suche nach der Liebe aufzuzeichnen, in einem "Kaleidoskop der Erinnerung", vom Ende her aufgerollt. Besonders hat der Rezensentin das gefallen, was sie Gruenters "Unzeitgemäßheit" nennt, nämlich die Liebe als "Sprechen über die Liebe" zu zeigen, als Erotik, die nicht im Körper geboren wird, sondern "im Kopf". Denn in die Zweisamkeit der Liebenden bricht ein Dritter ein, und aus den "nächtelangen Gesprächen", aus der "mehr oder weniger eingestandenen Menage a trois" schält sich mit einer erstaunlichen Wendung das neue Paar heraus. Der Liebhaber wandele sich zum "eifersüchtigen Ehemann", der Ehemann zum "Beobachter", dem "alles vor Augen ablief, als stünde ich unter einer leichten Betäubung, die wie manche Vergiftung auch klarsichtiger macht" (Zitat Gruenter). Dass am Ende alle allein sind, in der "Einsamkeit des anderen" angekommen: darum geht es für die Rezensentin. Diese Einsamkeit sei der Ort, "um dessentwillen Undine Gruenter von der Liebe erzählt".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.03.2004

Rezensent Heinrich Detering spricht angesichts dieses nachgelassenen Romans euphorisiert von einem "Erlebnis": nicht was, sondern wie erzählt wird, macht für ihn das Faszinosum dieses Romans aus. Ein Schriftsteller, ein junges Mädchen und ein junger Mann erleben eine Menage a trois, an deren Ende jeder wieder alleine ist. Wie in Goethes "Wahlverwandtschaften" bildet für den Rezensenten ein Garten den Schauplatz menschlicher Konflikte. Die Figuren erscheinen Detering mal wie selbstbestimmte Individuen, ein anderes Mal wie Elemente eines Experimentes. Fasziniert beschreibt er, wie Gruenter Gegensätze ignoriert: Wer sonst kann ohne jede Peinlichkeit ein Wort wie "Scheidenpessar" in seine poetische Sprache einfügen? Fast unverständlich ist es ihm, wie ein so durchkomponiertes Buch gleichzeitig so "anrührend" sein kann. Es liegt wohl an Gruenters Sprache, lassen seine Ausführungen schließen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.03.2004

"Ebenso anmutig wie polemisch" rebelliert Undine Gruenters letzter Roman gegen die moderne Liebe, die durch das Diktat des Gefühls gekennzeichnet sei, analysiert ein verzauberter Lothar Müller. "Doppelbödig" sei der Roman, weil die Autorin ihre beiden Liebenden zwar in der Gegenwart ansiedele, aber in die "Atmosphäre des Anachronistischen" eintauche. Ebenso wie der männliche Protagonist ein Wiedergänger jener "Männer von Geist" sei, die im Frankreich des 18. Jahrhunderts die Liebe literarisch erforschten, ist für den Rezensenten die Form dieses Romans vom Geist der damals entstandenen Essays und Traktate durchtränkt. Ein "Winterroman", der nicht auf "Gefühlsunmittelbarkeit" setzt, sondern die Liebe aus der Distanz des Rückblicks beschreibt, lobt Müller.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 10.03.2004

Ina Hartwig ist ebenso hingerissen wie mitgenommen aus der Lektüre von Undine Gruenters "wenn nicht bestem, so doch ergreifendsten Buch" aufgetaucht. "Der verschlossene Garten" ist nämlich auch Gruenters letzter Roman, den die bereits todkranke Autorin ihrem Mann diktiert hat; nach Hartwig kann man von den Entstehungshintergründen des Buchs kaum abstrahieren. "Der verschlossene Garten" handelt von einem Paar - er wesentlich älter als sie -, das sich von Familie, Freunden, Beruf, Arbeit und anderen Verpflichtungen frei in ein Haus mit Garten zurückzieht, so berichtet Hartwig, ein Experiment, das Libertinismus und Treue unter einen Hut zu bringen versucht und das letztendlich scheitert. Die freiwillige Gefangene bricht nach 6 Jahren aus und kehrt unter die Menschen zurück, so Hartwig, die den Roman trotz seines Schwelgens in Farben und Pflanzen eher für ein erzähltes Traktat hält, das mit seinen geschliffenen Aphorismen etwas von La Rochefoucault habe (allerdings nicht so bissig, meint Hartwig). Anders als in ihrem zuletzt erschienenen Erzählungsband "Sommergäste in Trouville" halte Gruenter auch nicht der französischen Gesellschaft den Spiegel vor; die Binnensicht bleibe die des aller Finanzsorgen enthobenen gehobenen Bürgertums. Dafür sei die Perspektive des Erzählers respektive der Erzählerin "ungemein zärtlich", der Ton sehr wehmütig, ein Buch, das für Hartwig in der Abgeschlossenheit der Liebe gegen das Sterben entstanden ist.

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