Tony Kushner, Maurice Sendak

Brundibar

(Ab 5 Jahre)
Cover: Brundibar
Gerstenberg Verlag, Hildesheim 2004
ISBN 9783806750737
Gebunden, 56 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Als Aninku und Pepicek in der Stadt Milch für ihre kranke Mutter holen wollen, will ihnen der Milchmann keine geben, denn sie haben kein Geld. Für nichts gibt es nichts, da sind die Menschen hartherzig. Und als die beiden beginnen zu singen, um Geld zu verdienen, ist es Brundibar, der Leierkastenmann, der sie fortscheucht. Er ist es, bei dem die Musik spielt! Und niemand wagt es, sich ihm zu widersetzen. Bis Aninku und Pepicek dann doch Hilfe erhalten, durch sprechende Tiere und durch viele, viele Kinder.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.12.2004

Ein "unbekümmertes Abenteuer" für Kinder darf man sich von Maurice Sendaks und Tony Kushners Bilderbuch nicht erwarten, warnt Rezensent Jens Thiele. Das Buch setzt die Kinderoper "Brundibar" um, die, von Hans Krasa und Adolf Hoffmeister unter den Nationalsozialisten komponiert, im Konzentrationslager Theresienstadt aufgeführt wurde. "Wie auf der Theaterbühne" drängen sich die beiden Protagonisten, zwei Kinder, die um ihre kranke Mutter gegen den hartherzigen Brundibar kämpfen, "ins Buch hinein". Das gesamte Werk legt ein "rasantes, ungeduldiges" Tempo vor: Sendak packt seine Bildseiten so voll, dass ein "ungewöhnlicher Detailreichtum" entstehe, erzählt mal im Prosatext, mal in Liedform oder in Sprechblasen und malt "bunt farbene" Szenen mit "lockerem Stift". Viele Kinder, die in Theresienstadt das Stück gesehen oder gespielt haben, fielen den Nazis zum Opfer; im Bilderbuch tragen sie jetzt den Sieg über das Böse davon - einen Sieg, den junge Zuschauer "nicht in Frage stellen werden". Doch der Rezensent weiß, dass Erwachsene das Ende der Geschichte, die die ZEIT und Radio Bremen mit dem "Luchs 215" ausgezeichnet haben, anders sehen werden. Sie werden in "Greisengesichter" mit "leeren Augen" blicken, schreibt er, und "wissen, wofür diese Blicke stehen".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.12.2004

Siggi Seuss ist beeindruckt: Die Geschichte von zwei kleinen Kindern in einem böhmischen Städtchen, die sich gegen einen tyrannischen Leierkastenspieler auflehnen, übersetzt die grausame Realität des jüdischen Holocausts in ein kindergerechtes "Lehrstück über Mut und Solidarität", über "Arm und Reich", "Gut und Böse". Diese Übersetzung gelingt durch die "lebendig rhythmisierten Text" von Tony Kushner, aber besonders durch die zwischen "naiver Eindeutigkeit und symbolischer Mehrdeutigkeit" schillernden Bildern Maurice Sendaks, lobt Seuss. Fast unmerklich verwandelt sich das süße böhmische Dörfchen zum Ghetto. Der Tyrann "Brundibar" erscheint als "ordensbehängte Napoleon-Karikatur mit der offensichtlichen Mimik Hitlers". Auf dem "schmalen Grat zwischen Märchenwelt und den Abgründen des Holocausts" erzählt die Geschichte vom Widerstand gegen Tyrannei und Unterdrückung, lobt Seuss. Zwar ende die Geschichte mit einem "plakativen" Happy End, aber Brundibar droht: Ich komme wieder!

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