Seeleute gibt es nicht nur auf dem Meer. Sie bevölkern seit langem auch Bereiche unserer Medien- und Alltagskultur, sei es in Kunstwerken, in Büchern und Filmen, in Liedern und Werbeanzeigen. Obwohl - oder vielleicht gerade weil - sich die Arbeit der Seeleute der direkten Anschauung entzieht, treibt die Vorstellungskraft umso heftigere Blüten. Bilder von harten Männern mit wiegendem Gang, von exotischen Häfen oder von schwerem Wetter auf hoher See sind ebenso weit verbreitet wie die einer verschworenen Männergemeinschaft mit homoerotischer Komponente. Doch wie viel haben diese Vorstellungen mit dem realen Berufsbild zu tun? Woher kommen diese Bilder, wie werden sie kulturell verarbeitet und welche Bedeutung haben sie nicht zuletzt für die "echten" Seeleute? Anhand medialer Inszenierungen und lebensgeschichtlicher Interviews spürt der Autor dem Phänomen des Seemanns nach und analysiert die Wechselwirkung zwischen realer und fiktiver Perspektive. Daraus ergibt sich ein kulturanthropologischer Argumentationsbogen von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 20.09.2005
"Aha!" möchte Rezensentin Ruth Fühner gerne immer wieder ausrufen ob Timo Herimerdingers detailreichen Studie über reale und fiktive Seemänner. Der Autor hätte für ihren Geschmack ruhig ein wenig aus seiner akademischen Reserviertheit herausgehen können bei einem Berufsstand, der als kultureller Mythos zwischen Ritter und Filmstar angesiedelt ist. Heimerdingers Buch kommt trotzdem "dramaturgisch und methodisch überzeugend? daher. Aus dem Interviewteil am Ende des Bandes gehe sehr schön hervor, wie abhängig reale Seeleute in ihrem Selbstbild von den "kulturellen Konstruktionen" über sie seien. "Stark, wild, frei, erotisch, gesellig, leidend" sind Heimerdinger zufolge Seeleute in Literatur, Musik und Film. Und solche einfach gestrickten Bilder könnten sich deshalb so wunderbar einfach bilden und erhalten, so die Rezensentin, weil die realen Seeleute immer gleich am Horizont verschwinden würden.
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