Thomas Weiss

Schmitz

Roman
Cover: Schmitz
Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 2004
ISBN 9783627001162
Gebunden, 127 Seiten, 15,90 EUR

Klappentext

Schmitz ist durch ein schicksalhaftes Ereignis aus der Spur gebracht. Ein Flugzeugunglück kostete seine Frau das Leben. Wegen einer Unachtsamkeit eines Lotsen in der Flugüberwachung kam es zum Absturz zweier voll besetzter Maschinen. Schmitz' Frau ist unter den Opfern. Seitdem ist ein Jahr vergangen. Seitdem ist Schmitz allein. Seitdem begegnet er sich selbst. Und Schmitz stellt sich Fragen. Aus seiner Perspektive erleben wir eine aus den Fugen geratene Welt. Am Jahrestag des Unglücksfallstritt er eine tragikomische Reise an, er will die Absturzstelle besuchen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 22.01.2005

Sehr sympathisch findet es Rezensent Christoph Schröder, dass sich Thomas Weiss für sein Debüt eine "unspektakuläre" Art Mensch ausgesucht hat, die allgemein wenig Interesse weckt und daher gewissermaßen in den Zustand der Unsichtbarkeit abrutscht: ein "neben sich stehender" und zunehmend verwahrlosender älterer Mann. Bei Weiss, erklärt der Rezensent, heißt dieser Mann Schmitz und ist zu Beginn des Romans auf den Tag genau seit einem Jahr Witwer (seine Frau ist bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen). Lobenswert findet der Rezensent, wie Weiss nicht nur Schmitz' "selbstquälerische Erinnerungsarbeit" inszeniert, sondern auch seine "radikale Selbstanalyse" und die wiederholten Versuche etwa, sich zusammenzureißen. Geschickt, so der Rezensent, lasse Weiss in den Details - wie Hemdflecken und defektes Brillengestell - erkennen, dass Schmitz' Verwahrlosung voranschreitet. Für den Rezensenten stellt dieser Roman auf eklatante Weise die Frage nach dem Beginn des Wahnsinns und danach, wie man Schmitz' Zustand überhaupt nennen kann. In seiner Versehrtheit entblöße sich Schmitz ein ums andere Mal, und für den Rezensenten schließlich das ein oder andere Mal zuviel. Insgesamt aber hat ihn dieses "Protokoll eines fortschreitenden Kontrollverlusts" und einer "unaufhaltsamen Selbstauflösung in Trauer und Einsamkeit" sehr beeindruckt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 15.01.2005

Thomas Weiss hat seinen Kafka, Freud, Beckett und Robert Walser gelesen, merkt Rezensent Stefan Kister nach der Lektüre. Und doch sei dies ein ganz eigener Roman geworden. Weiss erzähle von einem "älteren Herrn", der um seine Frau trauert, die vor einem Jahr bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. Der Mann ist für den Rezensenten komischer Vogel und tragischer Kauz zugleich. Die "Trauerarbeit löst sich auf in kunstvollem Sprachspiel, und die gekappten Lebensbande nimmt die geschmeidige Verbindungslust der schweifenden Assoziationen wieder auf, aus denen dieser Text gewoben ist", erklärt der begeisterte Rezensent. Für ihn ist Thomas Weiss einer der "vitalsten" jungen Schriftsteller in Deutschland.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.01.2005

Den anfänglichen Eindruck, dass "einfach zu viel Schmitz" in der Erzählung steckt, wird Rezensent Ralf Berhorst auch am Ende der Lektüre von Thomas Weiss' neuem Roman nicht los und sieht sich in "eine klaustrophobisch enge Wohngemeinschaft" mit der Hauptfigur eingesperrt. Schmitz, der um seine nach dreißig unglücklichen Ehejahren bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommene Frau trauert, ist völlig verwahrlost. In seiner Wohnung kämpft er mit den anderen Schmitz seiner gespaltenen Persönlichkeit, die ihn zur Ordnung mahnen will. Allerdings werde sein Schmerz nur selten für den Leser fühlbar, da Schmitz' Denken nur um ihn selbst kreise. Erst bei der Rückblende, die den Tag des Unglücks beschreibt, kann der Rezensent etwas aufatmen. Die Erzählung gewinne an Leben und beschreibe gut den "fatalen Entschluss zur Flugreise", der am "Ende einer ganzen Verkettung scheinbar belangloser Zufälle" steht. Doch Berhorst bedauert, dass der Autor die Erzählung an den Flugzeugabsturz 2002 in Überlingen geknüpft hat. Denn nun stehe die Erzählung in Konkurrenz mit dem "tragischen Epilog" des tatsächlichen Unglücks, nämlich die Tötung des mitverantwortlichen Fluglotsen durch einen Russen, der damals seine Familie verloren hatte. Die Wirklichkeit habe "die stärkere Story" geschrieben, bilanziert Berhorst zynisch.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.09.2004

Durchaus angetan ist Rezensentin Dorothea Dieckmann von diesem literarischen Debüt, in dem Thomas Weiss die Geschichte des plötzlich verwitweten Schmitz erzählt, dessen Frau bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen ist. Der Text schildert den Jahrestag des Unfalls und lässt das vergangene Jahr - von der schrecklichen und unerwarteten Todesnachricht bis über das von "Kopfgeburten" und Phantasiegestalten bevölkerte Alltagsleben des Protagonisten - in der Erinnerung Schmitz' Revue passieren, erklärt die Rezensentin. Sie entdeckt dabei, dass sich die Erzählung von der sehr wirklichkeitsgetreuen Beschreibung des ersten Schockzustands in eine Welt des höchst "surrealen Chaos" verwandelt. Dieses Buch ist "keine Sensation" und nicht immer überzeugen die Schilderungen von Schmitz' Innenleben, räumt Dieckmann ein. Dennoch imponiert ihr die "mutige Idee" der Erzählung. Sie hat sich von der "präzisen Introspektion" mit der dieses Trauerjahr beschrieben wird, gefangen nehmen lassen.
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