Bei der Begegnung zwischen Thomas Bernhard und Siegfried Unseld in Wien am 17. Januar 1985 herrscht, wie der Verleger notiert, eine "blendende Stimmung". Der Autor ist sich sicher, "Alte Meister" in wenigen Wochen abschließen zu können der letzte von Thomas Bernhard abgeschlossene Roman erscheint tatsächlich Ende desselben Jahres. Von den Gesprächen hält Unseld einen Wunsch Bernhards fest: "Dann läge ihm doch sehr an einem Band Goethe schtirbt . Er enthielte die Texte "Goethe schtirbt". "Wiedersehen". "Montaigne". Und zwei Stücke, die noch keinen Titel haben. Zu Lebzeiten von Thomas Bernhard kam die Publikation dieser Anfang der achtziger Jahre verfassten und in Zeitungen abgedruckten Erzählungen nicht mehr zustande: zu sehr war der Autor mit seinem zunächst zurückgehaltenen Romanopus "Auslöschung" und mit dem Theaterstück "Heldenplatz" sowie dem dadurch entfachten Skandal befasst.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 05.10.2010
Die vier Erzählungen aus dem Nachlass hätte auch Bernhard, ergänzt durch eine nie fertig gestellte fünfte, gern in einem Band versammelt gesehen, teilt Christopher Schmidt mit. Er muss zugeben, dass die in gewohnter Heftigkeit vorgetragenen Hasstiraden mittlerweile eher spaßig als bestürzend wirken. Und dass die Schlusspointen wie "auf Schienen" angerollt werden, empfindet der Rezensent ein wenig als "Selbstdemontage" der Texte. Trotzdem gesteht er, dass ihn der "Bernhard-Sound" wie eh und je gefangen nimmt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.10.2010
Rezensent Hannes Hintermeier freut sich über neue Fundsachen aus dem Bernhard-Nachlass, Bernhardland. Die vier kleinen Erzählungen aus den frühen 80er Jahren greifen laut Hintermeier typische Bernhard Motive aus dem Früh- bzw. Spätwerk wieder auf, so die tiefe Einsamkeit des Geistesmenschen oder die Eltern als Vernichter der eigenen Kinder. Dennoch bietet der Band dem Rezensenten ausreichend Abwechslung. Sogkräftiges wie Groteskes (Goethe trifft Wittgenstein) neben Bernhards sattsam bekanntem Österreich-Hass.
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