Aus dem Litauischen von Klaus Berthel. Teodoras Eetrauskas liefert in seinen »Ironischen Stadtgeschichten« ein Bild der sowjet-litauischen Gesellschaft, zum Teil auch der Jahre danach. Aber das gleichsam nebenbei. Denn eigentlich tut er nichts anderes als seine Mitmenschen, Freunde und Kollegen, sich selbst eingeschlossen, zu beobachten und ein wenig aufs Korn zu nehmen. Es dominiert ein eher leiser Humor, hier wird nicht die satirische Keule geschwungen. Ins Blickfeld geraten die bürokratische Vergabe von Wohnungen und rabiate Methoden, ?außer der Reihe? eine zu ergattern, die gewaltige Rolle, die der Alkohol im Lande Lenins spielte, die hohle Phraseologie der Politruks oder die Abenteuer und Strapazen einer Westreise.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 13.11.2002
Gleich im Vorwort, das er extra für seine westeuropäischen Leser verfasst hat, räumt Cetrauskas mit einigen Missverständnissen auf, die auf den Heldenphantasien so mancher angeblich dissidenter Bürger beruhen. Für den Kritiker Ulrich M. Schmid liest sich das so: Wer faul sein wollte, konnte faul sein und den Lebensstil eines intellektuellen Bohemiens pflegen, der sich dafür "mit wenig zufrieden" gab. Derlei Selbstbeweihräucherung und all die anderen unzähligen Absurditäten des zentral verwalteten Sowjetalltags geben den Nährstoff für Cetrauskas' humoristische Stadtgeschichten ab, erklärt Schmid. Das sozialistische Schlaraffenland ergibt eine fette Beute für den "begnadeten Porträtisten", freut sich Schmid, der Cetrauskas als "Meister der satirischen Skizze" preist.
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