Studs Terkel

Gespräche um Leben und Tod

Grenzerfahrungen, Ängste, Wünsche und Hoffnungen
Cover: Gespräche um Leben und Tod
Antje Kunstmann Verlag, München 2002
ISBN 9783888973116
Gebunden, 432 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Inge Leipold. 90 Jahre wird Studs Terkel, und in seinem (vorläufig) letzten Buch beschäftigt er mit dem Thema Tod. Die Gedanken und Gefühle, die Geschichten der einfachen Leute sind es, die ihn interessieren, die "unbekannten Helden des Alltaglebens" mit der ihnen eigenen Beredsamkeit und Poesie. Ob ein Feuerwehrmann davon erzählt, wie er den Tod seines Kollegen erlebt; ob eine Frau erzählt, wie sie Hiroshima überlebt hat, ob es die Erfahrung ist, zwei Jahre unschuldig in der Todeszelle gesessen haben, - in all diesen berührenden Geschichten wird deutlich, "dass wir einen Großteil unseres Lebens über den Tod nachgrübeln ? und dass wir uns keine Vorstellung von unserem jetzigen Leben machen können, wenn wir nicht anerkennen, dass es irgendwann ein Ende haben wird."

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.11.2002

Alexander Kissler ist fasziniert von diesen Gespräche über Leben und Tod, die Studs Terkel mit 47 Personen geführt hat. Kissler hat hier eine Auseinandersetzung mit dem Menschsein gefunden, das ohne den Tod nicht existieren würde. Terkel wurde 1912 geboren und ist seit fünfzig Jahren Radiomoderator, wie Kissler berichtet. Seine Stärke sei seine Zurückhaltung gegenüber den Gesprächspartnern, was laut Rezensent dazu führt, dass der eigentliche Austausch "im Kopf des Lesers" stattfindet. Der Umgang der meist christlich erzogenen Menschen mit dem Tod differiert je nach Art der Berührung: "Je öfter die Befragten bereits mit dem Tod in Berührung kamen, desto zurückhaltender sind sie in ihren Erwartungen", wie Kissler resümiert. Letztendlich fühlt sich Kissler von diesen Gesprächen abgesichert: "Tröstlich" bleibe, "dass der drohende eigene wie der fremde Tod enorme Kräfte freizusetzen vermag".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.10.2002

Studs Terkels Interview-Buch "Gespräche um Leben und Tod" hat Rezensent Oliver Tolmein recht beeindruckt. Dem Pulitzer-Preisträger gelingt es nach Tolmeins Ansicht, "scheinbar beiläufig durch den Panzer abgegriffener Formulierungen und klischeehafter Ängste zu dringen und die ganz persönlichen Geschichten und Überlegungen freizulegen". Die Gespräche lobt Tolmein als "kunstvoll montiert". Er hebt hervor, dass bestimmte Motive immer wieder auftauchen: die Absage an die Kirche, verbunden mit dem festen Glauben an eine Form von Leben nach dem Tod; unerwartete Reaktionen von Sterbenden, die man für bewusstlos gehalten hatte. Viele Menschen, die zu Wort kommen, hatte Terkel schon früher einmal interviewt, weiß Tolmein. Das schaffe in den Gesprächen eine vertraute Atmosphäre, ohne dass die Interviewpartner entblößt würden. Ein großes Lob geht an Inge Leipold für ihre gut zu lesende Übersetzung, die den besonderen Duktus der Gespräche erhalte. Bedauerlich findet der Rezensenten, dass der vom Verlag gewählte Titel Terkels "kompositorisches Anliegen" etwas ins Leere laufen lässt. Auch die Anmerkungen sind ihm bisweilen zu knapp ausgefallen. Am Wert des Buches, das, statt Fragen zu beantworten, so der Rezensent, "motiviert, weiterzureden und, im Wortsinn, nachzudenken", ändere das jedoch nichts.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.10.2002

Spürbar beeindruckt berichtet Thomas Krüger über Studs Terkel, der eigentlich Louis Terkel heißt, 1912 in der Bronx geboren wurde und seit vielen Jahren durch die USA reist, um Menschen über ihr Leben und ihre Einstellungen zu befragen. In seinem neuen Buch lasse der Autor, der sein ganzes Leben mit Begeisterung "Oral History" betrieb und damit europäischen Historikern wie Fernand Braudel eine "linksliberale" US-amerikanische Perspektive auf Geschichte gegenüberstellte, 50 Menschen aus ganz unterschiedlichen sozialen Milieus über Leben und Tod zu Wort kommen. Das Buch des Neunzigjährigen sei, meint der Rezensent in aller Deutlichkeit, kein Buch zum 11. September, sondern eine "unerschöpfliche Quelle" für soziologische Studien. Besonders gelungen findet Krüger Terkels Herangehensweise, die Befragten in ihrer ganzen Authentizität zu belassen, und zwar so deutlich, dass man beim Lesen ihre Stimmen hören könne, verspricht der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.09.2002

Andächtig rühmt Rezensent Michael Schmitt die "Gespräche um Leben und Tod", eine Sammlung von transskribierten Interviews, die Studs Terkel nach der eigenen Berührung mit diesem Thema mit unzähligen Menschen führte und zusammentrug. Bei der Betrachtung des schwierigen Stoffs treten, so der Kritiker, ganz verschiedene Perspektiven zutage. Ob nun aus dem Blickwinkel der Religion oder nicht: Das Buch kommt keinesfalls mit "verkappten Predigten" daher, lobt Schmitt. Alle Interviewpartner hätten einmalige und tiefgründige Betrachtungsweisen im persönlichen Umgang mit Tod und Verlust zu bieten. Die Vielzahl der kleinen Erzählungen mitten aus dem Alltag der Interviewten mit all ihren unterschiedlichen Ansichten, Ängsten und Lebensgefühlen mutet für Schmitt nahezu wie ein "kollektiver Gesang" an, in dem es weniger um Einzelne geht als um die "umfassende Komposition", die "mehr ist als die Summe der Teile", so schreibt der Rezensent etwas pathetisch, aber dem Thema durchaus angemessen.
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